Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

In San Juan Limay ist es schwierig zu unterscheiden, ob es sich um ein ausgetrocknetes Flussbett oder eine Schotterstraße handelt. Wasser ist nämlich im Januar nur an wenigen Stellen in den Flüssen.

Der Fluss neben der Finca von Octavio Rosales führt noch ein wenig Wasser, es fällt allerdings kaum auf in dem fast 20 Meter breiten Flussbett. Die Finca von Don Octavio ist eine grüne, kühle Oase. Knapp 3 Hektar Land, auf der Hälfte steht Wald, den er pflegt statt ihn abzuholzen. Doch an der Grenze seines Grundstücks wechselt die Farbe der Landschaft sofort von grün nach hellbraun.

Grüne Oase, wo noch Bäume stehen – braune Steppe, wo sie abgelzt wurden

Don Octavio deutet auf den nächsten Hügel. Der ist vollkommen kahl. „Da war mal Wald, aber die Leute haben die Bäume umgehauen, um dort ihr Vieh zu weiden.“ Fast alle Bäume rund um das Dorf sind gefällt. „Das merken wir jetzt, es ist windig hier in San Juan Limay.“ Außerdem sei der Grundwasserspiegel abgesunken, viele Brunnen haben überhaupt kein Wasser mehr in der Trockenzeit. Don Octavio musste wegen des Waldes und der Nähe zum Fluss nur einen Meter tief graben.

Wald hebt das Wasser und schützt die Felder vor Wind

„Der Wald schützt die Felder auch vor dem Wind“, sagt er. Außerdem hat er Gräserhecken zwischen den einzelnen Parzellen gepflanzt. So knicken die Pflanzen nicht um und er braucht auch weniger Wasser. Denn die Luftzirkulation transportiert die Feuchtigkeit weg.

Solange die Pumpe läuft, kann Don Octavio ernten

In San Juan de Limay hat die Welthungerhilfe zwischen 2002 und 2005 eine Kleinbauern-Kooperative dabei unterstützt, ihre Fincas für die Trockenheit zu rüsten. Octavio Rosales hat seit dem eine Anlage zur Tröpfchenbewässerung mit einer Pumpe und einem Wassertank.

Die Haupteinnahmequelle für Don Octavio sind die Wassermelonen, gut ein Drittel seiner Felder hat er damit bepflanzt. Vom Wassertank schlängeln sich schwarze Schläuche durch die hellgrünen Blätter. Alle paar Meter haben sie ein kleines Ventil aus dem es tröpfelt. Durch die Tröpfchenbewässerung spart er Wasser und damit Benzin für die Pumpe. „Der Treibstoff ist das teuerste hier.“ Eine Gallone, knapp vier Liter, braucht er am Tag, um die Pumpe neben seinem Brunnen zu betreiben. Eine Gallone kostet 2,50 Euro, damit pumpt er etwa 4 Stunden lang Wasser auf seine Felder. Die Pumpe steht neben dem Brunnen, einem Loch im Boden, ein Meter breit und gut einen Meter tief.

Tröpfchen für Tröpfchen: Zitronen, Bananen, Mangos, Melonen, Paprika

Die Schläuche kann er aber auch durch die Tomaten- und die Paprikasträucher legen, die er angepflanzt hat. Oder zu den Gurken. Das kleine Maisfeld bekommt Wasser mit einer Sprenkelanlage und die Obstbäume werden direkt mit dem Schlauch gegossen. Er hat Zitronen, Bananen, Papayas, Mangos und Maracujas. Fast einen Euro bekommt er für das Dutzend. „Aber die sind auch gut für meine Kinder, um Limonade zu machen.“ Im Wald hat er auch probeweise ein paar Kaffeesträucher gepflanzt.

Bevor er das Bewässerungssystem hatte, konnte er nur einmal im Jahr sähen – im Winter, wenn es Regen gab. „Das war aber immer ein Risiko, manchmal ging es gut, aber oft nicht“, sagt Don Octavio. Und in den vergangenen Jahren wurden auch die Wintermonate immer trockener: „Das Wetter ist irgendwie kaputt.“

Die Welthungerhilfe hat das Projekt in San Juan Limay abgeschlossen. Mit einer halben Million Euro wurden gut 80 Anlagen gebaut wie bei Don Octavio, außerdem wurden die Landwirte geschult in der Vermarktung, im Umgang mit verbessertem Saatgut und Bewässerungstechnik. Nicht alle Bauern benutzen noch die Pumpen und Brunnen, aber der Vorsitzende der Kooperative schätzt, dass zumindest noch 60 Anlagen in Betrieb seien. Die Hälfte der Investition mussten die Familien selbst aufbringen: „Eine Herausforderung für die Kleinbauern war die Umstellung von der traditionellen Verhaltensweise auf kleinbetriebliches Haushalten“, sagt Schmitz. Also statt mit wenig Risiko und wenig Gewinn anzubauen, mehr Geld zu investieren, und damit einen größeren Profit zu erwirtschaften.

Don Octavio arbeitet im Melonenfeld mit Tröpfchenbewässerung

3 Ernten im Jahr

Don Octavio schafft nun bis zu drei Ernten im Jahr. Er muss mehr investieren, in Saatgut, in Benzin und in Dünger. Den größten Teil seiner Einnahmen steckt er wieder in die nächste Ernte: „Es bleibt nicht viel, aber es reicht. Wir haben genug zu essen. Zumindest solange ich genug Geld habe, um den Treibstoff für die Bewässerungsanlage zu kaufen.“

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