Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Kaum rumpelt der Jeep über die letzten Meter Ackerfurche in Richtung Dorfplatz, schon strömen von überall die Bewohner zusammen. Sie haben einiges zu besprechen.

Vor allem Kinder, Frauen und Alte leben in dem Dorf im Danusha-District im Süden Nepals. Die Arbeitskraft der jungen Männer fehlt. Diese sind auf der Suche nach einem besseren Leben nach Saudi Arabien oder Indien gegangen, haben Frauen und Kinder zurückgelassen. „Von dem Geld, das sie dort verdienen, sehen die Frauen in der Regel nichts“, erklärt Bodo Noack, Entwicklungshelfer des ded. Alle Familien haben viele Kinder. Sie zeugen so lange, bis ihnen endlich ein Junge geboren wird.

Die Menschen hier gehören zu einer der untersten Kasten Nepals – sie sind Dalit, „Unberührbare“. Obwohl deren Diskriminierung per Gesetz verboten ist, sieht die Realität anders aus: In vielen Dorfgemeinschaften scheuen sich die Mitglieder anderer Kasten davor, von Dalit berührt zu werden, sie versagen ihnen den Zugang zu denselben Brunnen, weil dadurch das Wasser „verdorben“ werde, und Dalit dürfen Geschäfte nicht betreten sondern höchstens von draußen ihre Bestellung hinein rufen.

Das Hauptproblem der Dalit ist allerdings ihre Armut. Meist arbeiten sie in einer Art Leibeigenschaft auf den Feldern von Grundbesitzern und bekommen dafür einen Bruchteil der von ihnen erwirtschafteten Reisernte. Der Ertrag reicht meist für neun von zwölf Monaten.

Um die Abhängigkeit von den Grundbesitzern zu mindern und vor allem den Frauen zu ermöglichen, eigenes Einkommen zu erwirtschaften, werden dieses und viele weitere Dörfer im Danusha-District von der lokalen NGO Janaki Women Awareness Society unterstützt. In der Regel gibt es eine Anschubfinanzierung und technisches Know-How. Die Leute hier züchten Fische.

In letzter Zeit sterben aber immer mehr der Tiere. Die Teiche seien vergiftet, klagen die Dorfbewohner. Ausgeschlossen ist das nicht: Wenige Kilometer entfernt steht eine große Papierfabrik, deren Chemikalien man auch hier noch gut riechen kann. „Und kürzlich hat einer der Grundbesitzer uns gesagt, dass er das gar nicht gut heißt, wenn seine Arbeiter weniger abhängig von ihm werden“, berichtet Noack.

Unabhängiger werden diese auch dadurch, dass sie sich nicht mehr zu horrenden Zinssätzen bei ihren Arbeitgebern verschulden müssen. Sie haben eine Kooperative gegründet, eine Art Dorfbank, in die jedes Mitglied jeden Monat einen geringen Betrag einzahlt und gegebenenfalls zu günstigen Konditionen einen Kredit bekommen kann. Zu einer normalen Bank zu gehen, ist für Dalit so gut wie ausgeschlossen.

Der Mitarbeiter der Women Awareness Society verlässt die Dorfbewohner mit dem Versprechen, sich eine Lösung zu ihrem Problem zu überlegen – und bald wieder zu kommen. Dass vor allem die Frauen das Selbstbewusstsein gewonnen haben, etwas für sich einzufordern, ist vielleicht einer der größten Erfolge des Projekts.

Mehr zu der Recherche in Nepal gibt es hier…

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