Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Acht Jahre sind vergangen, nun hat es mich mit der Heinz-Kühn-Stiftung wieder in Indiens Hauptstadt verschlagen. In diesen unglaublich faszinierenden, lauten, grellen, dreckigen, stinkenden 14-Millionen-Moloch. Damals, im Februar 2003, war ich auch auf Recherchereise unterwegs. Das war kurz nach meinem Studium und kurz vor meinem Volontariat beim Deutschlandfunk – ich war 25 und hatte ein halbes Jahr freie Zeit, in der ich nur ein wenig Geld verdienen musste. Es war das große Abenteuer vor dem endgültigen Einstieg ins Berufsleben. Inzwischen sind acht Jahre vergangen, ich bin ich 33 und frage mich, warum ich solange gebraucht habe, mal wieder nach Indien zu reisen. Vermutlich war vor allem meine eigene Bequemlichkeit daran Schuld…

Nun bin ich froh, noch einmal die Gelegenheit zu bekommen, Tuchfühlung zu diesem verrückten Land aufzunehmen, das mich immer vor allem durch seine Andersartigkeit begeistert (und genervt) hat. Nun wohne ich seit einer Woche wieder in Pahar
Ganj, dem Back-Packer-Viertel Delhis, in dem es auf circa zwei Quadratkilometern rund 1000 Hostels gibt.

 

Die Dächer von Pahar Ganj

Bevor ich allerdings mit der Arbeit loslegen konnte, erwischte mich das, was mich in Indien früher oder später immer erwischt, diesmal leider früher: Montezumas Rache in Form einer Lebensmittelvergiftung. Die erste Woche verbrachte ich daher im Bett und bei einem netten Arzt in einer verwinkelten Seitengasse des Viertels, der mir eine ordentliche Portion indischer Antibiotika verpasste. Irgendwann war ich allerdings so schlapp, dass ich bei einer Infusion zusammenklappte und vor Zittern fast von der Liege fiel. Der nette Doktor stülpte mir eine dicke Baumwolldecke über den Kopf und warf den Heizlüfter an…

Nun geht es mir endlich wieder gut und ich kann mich hoffentlich meinem eigentlichen Ziel widmen: über die Umweltpolitik in diesem Land zu berichten…So weit der Stand vom 11. Februar.

Leider war das dann doch noch nicht das Ende der Geschichte

Denn auch nach zwei Wochen Behandlung mit sämtlichen Antibiotika, die indische Apotheken führen, ging es mir immer noch nicht besser. Irgendwann war klar, dass ich das Problem so nicht loswerde und auch nicht arbeiten kann. Also: Ab ins Krankenhaus – eine Privatklinik, die mir eine Mitarbeiterin der GTZ empfohlen hatte. Es war die richtige Entscheidung, die Ärzte haben mich an den Tropf gehängt, mir wirksame Medikamente verpasst und mich richtig durchgecheckt. Es hat aber tatsächlich fünf Tage gedauert, bis ich wieder so weit hergestellt war, dass ich rauskonnte. Dazwischen stand ein unglaubliches Theater mit meiner deutschen Auslandsversicherung und der indischen Krankenhausverwaltung, die sich beide als Vollkatastrophe erwiesen haben. Als ob es nicht schon gereicht hätte, richtig krank zu sein, nein, da musste ich mich auch noch mit dem Verwaltungskram rumschlagen und hätte am Ende beinahe doch die Rechnung selber zahlen müssen.

Ich fühlte mich zwischendurch wie in einem Roman von Kafka…Dazu dann noch nervige Zimmernachbarn mit Großfamilie. Dafür aber immerhin kompetente Ärzte. Aber jetzt bin ich froh, dass ich da wieder raus bin. Es gibt wenig schlimmeres, als alleine in einem indischen Krankenhausbett zu liegen und sich mit der Versicherung rumzuschlagen. Vielleicht hätte ich gleich das Recherchethema wechseln sollen: das indische Gesundheitswesen im Selbstversuch statt Umweltpolitik…Nun bin ich seit einer Woche wieder draußen, kann wieder essen und arbeiten. Hoffentlich bleibt es jetzt auch so! So weit der Stand vom 27. Februar…

Eine Woche später:

Nach einem Kurztripp nach Rajasthan habe ich mir anscheinend die nächste Durchfallerkrankung eingefangen – pünktlich zum Wochenende. Schon wieder zwei Interviews abgesagt und wieder neue Antibiotika – Empfehlung vom indischen Doktor am Telefon, weil die Praxis natürlich am Wochenende nicht besetzt ist. Schlucke sie trotzdem – habe ja keine Wahl. Immerhin wirken wohl die Tabletten gegen Appetitlosigkeit, denn damit habe ich jetzt auch schon seit einer Woche zu kämpfen – laut Doktor eine Folge zu langer Antibiotika-Behandlung, zieht die Leber in Mitleidenschaft. Jetzt also trotzdem wieder Antiobiotika.

6. März:

Ich bin körperlich und mit den Nerven völlig am Ende, habe sechs Kilo abgenommen und vier von fünf Wochen dieser Reise alleine krank in einem billigen indischen Hotel oder im Krankenhaus verbracht…Ich kann nicht mehr, habe kapituliert und einen teuren Rückflug für übermorgen gebucht – eine Woche früher als geplant. Schade um die Interviews, die ich noch führen wollte, aber die hätte ich vermutlich eh vergessen können, wenn ich die Krankheit nicht loswerde. Ich habe trotzdem schöne Geschichten erfahren, sehr nette und hilfsbereite Menschen kennengelernt, aber jetzt gebe ich auf, sonst wird diese Recherche endgültig zum Horrortrip.

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