Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Kurzes Possenspiel.

Mitwirkende:

Tourist 1
Tourist 2
Polizistin 1 (In Uniform, Name bekannt)
Polizist 2 (Ohne Namensschild, im zivilin Anzug)

Polizistin 3 (In Uniform, Name nicht bekannt)

Accra, Ghana. Stadtteil Legon, Polizeistation Legon, gegenüber der Universität. Touristen Opfer von Trickdieben. Sie wollen den Raub anzeigen.



Tourist 1: Ich wurde beklaut
Polizistin 1: Ja das kommt vor.
(Holt Polizist 2)
Polizist 2: Erzählen Sie Mal.
Tourist 1: Wir fuhren im Taxi von der Accra Mall nach Legon, auf dem Weg behauptete der Fahrer, die Tür sei nicht richtig, zu, alle Mitreisenden, also eine junge Frau, ein junger Mann, beide sahen aus wie Studenten, und der Fahrer halfen mir. Dann hat das Trio uns hier abgesetzt. Als wir ausstiegen war mein Geld weg.
Polizist 2: Ja, da haben sie ja Glück gehabt. Die hätten auch irgendwohin fahren und sie ganz ausrauben können.
Tourist 1: (schweigt)
Polizist 2: Haben sie denn das Kennzeichen notiert?
Tourist 1: Nein
Polizist 2: Dann brauchen wir die Anzeige gar nicht aufnehmen, die finden wir eh nicht.
Tourist 2: Es wäre aber doch nicht schlecht, wenn sie das aufnähmen, vielleicht kriegen wir ja noch was von der Versicherung.
Polizist 2: (Nickt verständnisvoll, spricht langsam und gedehnt) Ja, das können wir natürlich machen.
Polizistin 1: (Unfreundlich, schiebt Tourist 1 ein Blatt weisses Papier zu) Schreiben sie hier ihren Namen hin, und was Ihnen geklaut wurde.
Tourist 1: (Schreibt)
Polzistin 2: OK, 160 Ghana Cedi, eine Mastercard, eine Visacard, Führerschein, eine Kamera, 300 Cedi wert?
(Zögert kurz)
Wissen Sie, ich habe sehr viel zu tun, sie sehen den Stapel hier, ich übertrage dass dann in ein Formular, aber das dauert, sie sehen ja, was ich zu tun habe. Schreiben SIe noch Ihre Telefonnummer dazu.
(Tourist 1 schreibt: 0233 – 546124862)
Polizist 1 (mischt sich plötzlich erregt ein) Sie müssen noch ein Formular ausfüllen, kommen sie bitte in den Nebenraum.


Tourist 1 und Tourist 2 gehen mit Polizist 2 in kleinen Raum, er schließt die Tür, Polizistin 1 kommt plötzlich in den Raum, doch Polizist 1 schickt sie wieder weg. Tourist 1 setzt sich, bekommt Kuli und Formular, und füllt es aus.


Polizist 1: Wissen Sie, das ist sehr kompliziert, wenn sie einen Raub anmelden. Sie müssen in die Innenstat in die Hauptwache fahren und dort ein Formular für 5 Cedi kaufen, dass dann hier her bringen, und wir füllen dass dann aus uns Stempeln es. Es gibt auch einene einfacheren Weg. Wir können das alles direkt hier für Sie tun. Verstehen Sie?
Tourist 1: Was müssen wir denn machen?
Polizist 2: Na, wir können das alles für sie erledigen.
Tourist 1: (überlegt kurz, will ausgefülltes Formular mitnehmen) Ich brauche vielleicht keine Stempel, ich nehme einfach das ausgefüllte Formular mit, vielleicht akzeptiert das meine Versicherung auch.
Polizist 2: (Nimmt Tourist 1 Papier weg). Nein, das bleibt hier.
Tourist 1: Aber sie hatten doch gesagt, sie nehmen die Anzeige sowieso nur pro forma auf, da können Sie mir doch das Formular geben, es ist ja für mich.
Polizist 2: Nein, dass geht nicht.
Tourist 1: Dann machen Sie mir eine Fotokopie.
Polizist 2: Nein, wir haben keinen Kopierer.
Tourist 1: Dann gehen wir eben zur Uni rüber, und kopieren es da.
Polizist 2: Nein, das geht nicht. Aber vielleicht kann Ihnen meine Kollegin weiter helfen. Vielleicht zieht sie Ihren Fall vor, sie müssen den Prozess nur ein wenig stimulieren.
Sie gehen wieder in den Eingangsbereich. Polizist 2 hat das Formular in der Hand. Polizistin 1 sitzt missmutig über ihre Papiere gebeugt, eben ihr Polizistin 3. Das Blankapier mit den Angaben zum Diebstahl liegt immer noch vor ihr.

Polizist 2: Kannst Du denn Vorgang hier nicht etwas vorziehen?
Polizistin 1: (Missmutig) Da kann ja jeder kommen, wenn ich das immer machen würde, dann würde ich meine normale Arbeit nicht mehr schaffen.
Tourist 2: (Kann sich ein grinsen nicht verkneifen) Wie können wir denn Prozess den stimulieren?
Polizistin 3: (leise) Sie müssen ihr 10 Cedi geben für ihre Schwester. Sie ist sehr krank.
Tourist 1 (Hat von der leise geführten Unterhaltung zwischen Tourist 2 und Polizistin 3 nicht mitbekommen) Sie müssen nur das Papier, das ich gerade ausgefüllt habe, stempeln, das reicht schon.
Polizistin 1: Das geht nicht.
Tourist 1: Wieso?
Polizistin 1: Der Stempel ist im Büro eines Kollegen, der hat gerade Mittagspause, und seine Tür ist abgeschlossen, da müssen Sie morgen wieder kommen.
Tourist 1: (Leicht aumüsiert) Ja, das hilft wohl nichts.
Polizistin 1: Aber vielleicht finden wir den Schlüssel. Er läßt ihn eigentlich immer hier.
Tourist 1: Hhat genug) Nein, das ist schon in Ordnung, wir kommen morgen wieder.
Polizistin 1: Um 9 bitte.

Tourist 1 und Tourist 2 verabschieden sich.

Nachspiel, ein Tag später. 10 Uhr morgens. Das Telefon von Tourist 1 klingelt, er ist gerade beim Frühstück.

Tourist 1: Hallo?
Polizistin 1: Hallo, warum sind sie nicht vorbei gekommen?
Tourist 1: (Überrascht über den Anruf) Ich hatte soviel zu tun. Kann ich denn ein andermal vorbeikommen?
Polizistin 1: Ja, aber sie können nur kommen, wen ich Dienst habe. Ich bearbeite Ihren Fall. Sie können Montag abend kommen, da habe ich Spätdienst, oder einen Tag später, auch abends.
Tourist 1: Ja, dann machen wir dass so, Wiederhören.

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