Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Gestatten, mein Name ist Nicole Graaf und ich bin auch eine der elf Glücklichen, die in diesem Jahr mit einem Heinz-Kühn-Stipendium einen anderen Erdteil erleben dürfen. Mich führt die Reise in die Mongolei, ein Land, über das man bei uns gemeinhin genausoviel weiß, wie über Tuvalu und Grönland. Allenfalls denkt man dabei an Dschingis Khan und die schier unendliche Steppe. Dabei unterhält die Mongolei gerade mit Deutschland Beziehungen bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Mehr dazu später, bzw. in diesem Artikel auf Englisch, den ich bei meinem ersten Aufenthalt in 2009 geschrieben habe.

Was es also außer Grasland und wilden Reitern hier noch zu entdecken gibt, werde ich mich bemühen herauszufinden. Mein Augenmerk gilt dabei hauptsächlich dem boomenden Bergbausektor und dem Goldrausch, der viele Mongolen in seinen Bann gezogen hat. Doch ich will nicht gleich alles vorneweg verraten.

 

Wirtschaftszweig Tourismus

Der Tourismus ist ein wichtiges wirtschaftliches Standbein des Landes, rund eine halbe Million Touristen besuchen das Land pro Jahr. Die allermeisten davon in den kurzen Sommermonaten. Im Zentrum Ulan Bators finden sich an jeder Ecke Backpacker-Hostels und kleine Reiseagenturen, die Touren aufs Land anbieten. Wer die Mongolei sehen will, kommt fast nicht drumherum bei ihnen eine Tour zu buchen, denn öffentliche Verkehrsmittel sind kaum vorhanden, die Minibusse steuern meist nur die Orte rund um Ulan Bator an, oder die Verwaltungszentren der Aimags (Provinzen).

Bei nur gut 3 Millionen Menschen, von denen mehr als ein Drittel sowieso in der Hauptstadt lebt, hat es sich bisher wahrscheinlich kaum gelohnt, ein öffentliches Verkehrsnetz aufzubauen – obwohl neue Straßen und Eisenbahnlinien mittlerweile in Planung sind.

Der Chinesen-Faktor

Eine andere Gruppe der Touristen rekrutierte sich aus Chinesen – hippe junge Pärchen, die wahrscheinlich genauso wie die westlichen Rucksacktouristen die Gobi sehen und auf dem Pferd durchs Grasland reiten wollten – aber auch zahlreiche Männer mit Bürstenhaarschnitt, dunklen Stoffhosen und einer Plastikmappe voller Papiere unter dem Arm. Die vor allem wegen des Bergbaus stark wachsende Wirtschaft der Mongolei zieht immer mehr Chinesen an. An vielem, womit in der Mongolei Geld zu machen ist, sind Chinesen beteiligt: Bauindustrie, Import von Waren aller Art und vor allem im Bergbau.

Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit

Die Mongolen sehen das gar nicht gern: die Chinesen sind in der Mongolei gelinde gesagt unbeliebt. Nicht selten sind sie mit Anfeindungen oder gar Gewalt konfrontiert. Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit wächst, vor allem gegenüber Chinesen, aber nicht nur. Auch Attacken auf westliche Ausländer nehmen zu, glaubt man dem, was man von den Expats hier so hört. Nicht selten sieht man Aufkleber, Wandkritzeleien oder Tattoos mit Hakenkreuzen und zwar der Sorte, die nichts mit dem Buddhismus zu tun haben. (Das Swastika stammt aus dem Hinduismus und Buddhismus und ist dort ursprünglich ein Glückssymbol. Die Nazis haben es geklaut und zweckentfremdet)

Der große Bruder ist immer noch da

Seltsamerweise genießen Russland und die Russen immer noch große Sympathien. Man würde denken, das Gegenteil müsste gelten, denn Russland hatte die Mongolei bis zum demokratischen Umbruch in den frühen 1990er Jahre, zwar nicht kolonisiert aber doch sehr stark dominiert. Auch hier hatte der Kommunismus neben positiven Aspekten wie hohem Bildungsstandard und gut ausgebautem Gesundheitswesen, auch seine unterdrückerische Seite gezeigt. Um so verwunderlicher, dass die Mongolen Russland immer noch als großen Bruder betrachten.

Dazu, sowie zum wachsenden Nationalismus, den Touristen und natürlich zum Bergbau gibt es hier demnächst noch mehr zu lesen.

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