Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.


Die Zeit vergeht wie nichts. Bisher habe ich das mongolische Nationalfest mitgefeiert, einen 6-jährigen Jockey getroffen, mein Praktikum beim deutschen Radio Ulan Bator absolviert, währenddessen mit mongolischen Nazis und Vegetariern gesprochen, ein paar deutsche Ausstauschstudenten porträtiert, mit Mongolen Salsa getanzt und mit einem Verein von Deutschlandrückkehrern einen Ausflug aufs Land gemacht. Vor allem aber habe ich jede Menge unglaublich interessanter Leute getroffen: ganz viele Locals natürlich, aber auch Expats, die hier leben oder Leute, die mit spannenden Projekten auf der Durchreise sind: z.B. den Assistenten eines Parlamentariers, einen Umweltaktivisten, der davon träumt mit mobilem WLAN aus Nomaden Bürgerjournalisten zu machen, einen deutschen Investment-Bänker, der seit zwei Jahren den mongolischen Wirtschaftsboom aus nächster Nähe betrachtet, einen Österreicher, der hier Fairtrade-Gold etablieren möchte, eine ehemalige Englischlehrerin aus der Provinz, die mittlerweile für eine große Internationale Bergbaufirma als Dolmetscherin arbeitet, viele viele Mongolen, die perfekt deutsch sprechen – mal mit bayrischem, mal mit Berliner Akzent, mehrere Fotografen, darunter eine, die hier lebt und neben spannenden Fotoreportagen die neuen Superreichen fotografiert, eine Reihe mongolischer Vegegetarier, die – inspieriert von einer vietnamesischen Meditationssekte – nur noch Schaschliks und Teigtaschen mit Fleischimitat aus Soja essen, einen Restaurantbesitzer aus der inneren Mongolei (China), der Probleme mit mongolischen Nationalisten hat, die Chinesen hassen, obwohl er viel traditioneller aufgewachsen ist als sie (als Schafhirte im Grasland und nicht im Yurtenslum von UB).  Vor allem aber von meiner mongolischen Mitbewohnerin lerne ich unglaublich viel über das Land und die Menschen. Sie ist auch Journalistin und schreibt obendrein gerade an ihrer Doktorarbeit.

Die letzten Wochen waren also voll mit Treffen, Terminen und Gesprächen, und so habe ich sehr wenig Zeit am Computer verbracht – aber das ist ja irdendwie auch gut so.

Morgen geht es endlich aufs Land für mein Hauptrecherchethema: den Bergbau und besonders den informellen Kleinbergbau. 600km oder 14 Stunden von Ulan Bator entfernt werde ich einige Zeit mit den Ninjas, den Goldsuchern, verbringen und mir anschauen, wie sie leben und arbeiten. Bisher habe ich hier in der mongolischen Hauptstadt viel über die Hintergründe erfahren, weshalb so viele Menschen hier als Ninjas arbeiten und wie das mit dem industriellen Bergbau zusammenhängt; der nimmt hier gerade mit einigen Großprojekten so richtig Fahrt auf. (dazu dann später mehr)

Daneben gibt es einige Projekte von Entwicklungsorganisationen, die darauf abzielen den Kleinbergbau rechtlich abgesichert und sozial und ökologisch nachhaltig zu gestalten. Nun bin ich gespannt, das Ganze live und in Farbe zu erleben….

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