Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Gestern roch die Luft bereits nach Schnee. Die Wolken hingen tief über Ulan Bator. Es war ein nasskalter, stürmischer Tag, wie es ihn in der Mongolei nicht allzu häufig gibt. Meist ist die Luft hier sehr trocken, so trocken dass sie die Feuchtigkeit aus der Haut zu ziehen scheint. Als ich aus der Haustür trat, brauste mir ein mit feinen Wassertröpfchen angefüllter Wind entgegen, wie ich ihn von Spaziergängen durch die rheinische Tiefebene kenne und ich bekam beinahe Heimweh.

Doch ich verschwendete keinen zweiten Gedanken an den nahenden Winter. Vor drei Tagen war ich noch im T-shirt herumgelaufen und das Thermometer hatte 22 Grad angezeigt.

Umso kälter erwischte es mich heute morgen.

Im Halbschlaf hatte ich nachts bereits die Steppdecke über mich gezogen. Bisher hatte mir ein dünnes Laken gereicht, denn unsere Wohnung in einem nagelneuen Hochhaus ist anscheinend wesentlich besser isoliert als die Plattenbauten aus der Sowjetzeit. Bisher ist die Heizung jedenfalls aus geblieben trotz gelegentlicher Nachtfröste.

Doch als ich heute Morgen die Vorhänge zurückzog, blickte ich auf weiß gezuckerte Hausdächer und auch auf den Bergen südlich der Stadt schimmert das gelblich-braune Grasland nur noch leicht unter dem Schnee hindurch. Das mit weißen Steinen auf einen Hügel gemalte Porträt von Dschingis Khan ist jetzt kaum noch zu erkennen.

Ob das nun heißt, der gefürchtete mongolische Winter hat begonnen, oder ob der Sommer oder zumindest der Herbst doch nochmal eine Rückkehr wagt? Wir werden sehen.

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