Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

 

Die Mongolei ist eine einzige Wundertüte. Oder wer würde in einem sowjetisch geprägten Land mit acht Monaten im Jahr Temperaturen unter null – oder nur knapp darüber – etwa karibische Lebensfreude erwarten? Doch der Kommunismus ist seit 20 Jahren passé und die Mongolen – vor allem die jungen – wollen heute an allem teilhaben, was die Welt an Spaß zu bieten hat.

Und so trifft sich zweimal im Monat eine eingefleischte Fangemeinde von Salsa, Merengue und Bachata in einem schicken Restaurant in Downtown Ulan Bator. Eine ausladende Treppe mit geschwungenem Geländer führt in das Obergeschoss und schon steht man mitten auf der Tanzfläche umrahmt von Tischen mit weißen Tischtüchern und roten Polsterstühlen, ganz wie in den Tanzsalons der 20er Jahre.

Klassische Tanzschulen, wo man auch Rumba, Chachacha und all diese leicht angestaubten Standardtänze lernen kann, existieren auch in Ulan Bator schon seit langem, doch bis vor etwa einem Jahr fehlte es an einem Ort, wo man ganz ungezwungen einfach mal tanzen konnte. Und so entstand die Idee für diese Latin Music Party.

mongolische Salsa-Fans beim Workshop vor der Party

 

Zugegeben: einige Ausländer haben da ihre Finger mit im Spiel. Doch der Initiator dieser Veranstaltung stammt nicht etwa aus einem puertorikanischen Barrio, sondern ganz bodenständig aus Rheinhessen und arbeitet als Investmentbanker in Ulan Bator.

Zu Beginn des Abends lehrt abwechselnd ein Brite arabischer Herkunft und ein graziles mongolisches Showtanzpaar, was der eingehende Rhythmus mit den Beinen anstellen sollte. Dann ist die Tanzfläche freigegeben und nicht selten trifft man hier auf Mongolen, die in Deutschland oder den USA studiert und ihren Hüftschwung dort beim Unisport gelernt haben.

Die Salsa-Gemeinde soll wachsen, das haben sich zumindest die Organisatoren vorgenommen. So soll es bald wöchentlich eine Latin-Music-Party geben und daneben einmal die Woche Unterricht. Und der Banker aus Rheinhessen träumt bereits von einem Salsa-Kongress in der kältesten Hauptstadt der Welt.

Was mich auf meinen letzten Blogeintrag zurückführt: denn bei den heißen Rhythmen vergisst man zumindest die frostigen Temperaturen draußen.

 

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