Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Sandfarbene Gebäude vor tiefblauem Himmel, weitläufige Plätze über die junge Frauen und Männer zu ihren Vorlesungen hasten  – die Sultan Quaboos University (SQU) liegt in der Stadt Al Khoudh in unmittelbarer Nähe zur Hauptstadt Muskat. Auf gut asphaltieren Straßen ist es einfach, zu dieser Hochburg in Sachen Bildung zu kommen. Und das mit bis zu 120 Kilometern die Stunde.
1986 nahmen dort erstmals, nach rund vier Jahren Bauzeit, die ersten Studenten ihr Studium auf. Bis 2000 war die SQU die einzige Universität des Landes, heute existieren parallel dazu fünf weitere, allerdings allesamt privat, wenngleich staatlich anerkannt: die Universitäten in Sohar, Nizwa und Dhofar und Al Buraimi sowie die German University of Technology.
Verteilt auf acht Fakultäten studieren rund 15.000 Studentinnen und Studenten, wobei die Verteilung auf beide Geschlechter ungefähr 50:50 ist. Teilweise wollten sich sogar mehr Frauen als Männer einschreiben, weshalb sich die Verwaltung genötigt sah, eine „Männerquote“ einzuführen.
Mein Ziel ist das Department für Tourismus. Nach der Fahrt über den weitläufigen Campus empfängt mich dessen Leiterin Dr. Masooma Khamis Mahmood Al-Balushi. Ein flüchtiger Händedruck, dann sitzt mir eine zierliche, aber überaus selbstbewusste Person gegenüber. Der schwarze lange Rock betont ihre schmale Figur, die grüne Bluse ist sogar leicht transparent, das Kopftuch mit Blumenmuster genau darauf abgestimmt. Zwei Ringe, üppig bestückt mit Diamanten schmücken die zierlichen Finger, auch ihr iPhone steckt in einer mit Swarowskikristallen besetzten Hülle.
Oman, Ägypten, Großbritannien – die Stationen ihrer akademischen Laufbahn. Ob sie nicht überlegt habe, nach ihrem Doktor an der Wales University in Cardiff im Ausland Karriere zu machen? Nein. Masooma lächelt bestimmt. Das kam nie für sie in Frage. „Ich habe viel von meinem Land erhalten, deshalb wollte ich ihm auch etwas zurückgeben.“
Viel, das bedeutet für die Leiterin des Tourismusstudienganges vor allem die Möglichkeit, berufstätig zu sein, ihr Wissen an Studenten weiterzugeben, aktiv in der Bildungsarbeit des Landes mitzuwirken. Denn das Wissen, die Ausbildung und die Jugend zu fördern ist eine wichtige Prämisse des derzeitigen Sultans. Auch Masooma ist voll des Lobes für ihren Landesvater. Insbesondere, weil er die Frauen als wichtiges Mitglied der Gesellschaft ansieht. Beide Geschlechter sind vor dem Gesetz gleichberechtigt, ihnen stehe alle Bereiche offen – vom Gesundheitssektor bis zur Polizei – und das bei gleichem Lohn. Etwas, das bei westlichen Besuchern immer wieder für Verwunderung sorgt, ist es doch im europäischen Raum oft noch Gang und Gebe, dass Frauen bei gleicher Qualifikation weniger verdienen als männliche Kollegen in vergleichbarer Position.
„Wir sind privilegiert hier als Frauen“, gibt die Omani zu. Zumal sie für ihre Rechte nicht einmal kämpfen müssen. „Wir bekommen einfach, was uns zusteht.“ Ist es denn nicht schwierig, in einer so von Männern bestimmten Gesellschaft zu agieren? Nein, lautet ihre Antwort. Einige Studentinnen warten derweilen vor der Tür, wollen kurz etwas fragen. Die Professorin wendet sich ihnen zu, einige kurze bestimmt klingende Sätze, dann ist die Gruppe der Mädchen in den schwarzen Abayas schon wieder verschwunden. Demnächst stehen wieder Prüfungen an. Die Studenten sind aufgeregt dabei, sich vorzubereiten. Wobei die Mädels durchweg fleißiger sind. „Sie konzentrieren sich mehr auf das Studium, empfinden es nach wie vor als Privileg, eine akademische Ausbildung machen zu dürfen, die ihnen später einen guten Job ermöglicht.

Denn Job sind für viele der Studenten – egal ob männlich oder weiblich, nicht schwer zu bekommen. Oftmals erhalten sie noch während ihres Abschlussjahres Angebote aus der Wirtschaft, manche gehen auch in staatliche Institutionen. Der Ruf, den die Sultan Quaboos University bei potenziellen Arbeitgebern genießt, ist enorm. Und auch in der Gesellschaft, insbesondere der Familie scheint das von Sultan Quaboos propagierte Ja zur Bildung für beide Geschlechter angekommen zu sein.

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