Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Gut anderthalb Stunden Fahrzeit und rund 180 Kilometer von Muscat  – die Oasenstadt Nizwa liegt am Südrand des Hadschar-Gebirges nahe dem Dschabal al-Achdar, dem höchsten Bergmassiv Omans. Dort will ich drei Studentinnen vom Department of German Language der Universität Nizwa treffen. Den Kontakt hatte mir ihre Lehrerin Frau Marlene Plankermann vermittelt.

Während das Filmteam noch draußen nach der Fahrt seine Glieder reckt und streckt und das obligatorische Zigarettchen raucht, gehe ich die jungen Damen schon mal begrüßen. Schüchtern ist der erste Kontakt. Ob sie bereits 22 Jahre alt sind, wie ich später erfahre, kommen sie mir mehr wie Teenager vor, so zurückhaltend sind sie. Fasziniert bin ich von ihren Deutschkenntnissen, sie sind wirklich gut und nach einigen Anlaufschwierigkeiten werden die Mädchen auch lockerer in der Konversation.

Anfangs ist es vor allem Hajir, die das Gespräch führt. Sie ist die einzige, die bereits verheiratet ist und auch schon einen kleine Tochter hat. Dafür musste sie ihr Studium kurzzeitig unterbrechen, jetzt kümmert sich ihre Mutter um das Kind, sodass sie sich wieder ganz auf ihren Abschluss konzentrieren kann.

Seit Herbst 2008 offeriert die Universität ihren Studenten den Bachelorstudiengang Deutsch als Fremdsprache. Für ihren Master müssen die Omanis allerdings nach Deutschland gehen. Ein Wunsch, den natürlich alle drei Interviewpartnerinnen haben 🙂
Hannover steht hoch im Kurs, soll dort doch das reinste Hochdeutsch gesprochen werden. Aber auch die Rheinstadt Düsseldorf und Konstanz am Bodensee hat es den jungen Damen angetan. Was sie denn mit ihrem Abschluss für einen Beruf anstreben, will ich wissen? Gerne einen Job im Tourismus, verrät mir Tayba. Suaad kann sich auch vorstellen, als Übersetzerin zu arbeiten.

In Nizwa könnte es allerdings schwierig werden, einen Job zu finden.
Hajir weiß zum Beispiel schon jetzt, dass sie nach hrem Abschluss und wenn auch ihr Mann sein Studium beendet hat, eher in Muscat leben und arbeiten wird. Ob ihr Partner denn auch damit einverstanden sein wird, dass sie trotz Kind berufstätig ist, will ich wissen. Aber natürlich, lautet ihre Antwort. Und fügt mit einem charmanten Grinsen hinzu: sonst hätte ich ihn nicht geheiratet.
Für einen Mann auf einen Job zu verzichten, kommt für die Studentinnen nicht in Frage. „Der Mann muss das tolerieren“, sagt Tayba selbstbewusst. Schließlich profitieren die Familie ja auch davon, wenn beide Partner ein Einkommen haben. Das trage zum Lebensstandard bei. Und ganz selbstverständlich wollen die beiden noch unverheirateten Frauen Tayba und Suaad nur einen Mann wählen, der sie in ihren beruflichen Plänen unterstützt.
Ob sie sich frei fühlen, will ich wissen. „Wir Frauen machen, was wir wollen“, schleudern mir die Mädchen spontan ins Gesicht. Was sie wollen, frage ich kritisch nach. Gewisse Dinge, die ich als Freiheit empfinde, praktizieren die jungen Frauen nicht. Zum Beispiel sind sie kaum allein unterwegs oder nehmen Freizeitaktivitäten mit Männern wahr. Es gibt weder Kino noch Disco in Nizwa, die Cafés werden überwiegend von Männern besucht.

Doch Freiheit liegt auch im Auge des Betrachters. Hajir, Tayba und Suaad empfinden die Möglichkeiten, die ihnen in ihrem Land gegeben sind, als Freiheit und sind voll des Lobes über ihren Sultan, fördert er doch in ihren Augen die Frauen in jeder Hinsicht. Sogar einen eigenen Tag hat er den weiblichen Mitgliedern seiner Gesellschaft geschenkt.
Der 17. Oktober ist der offizielle Frauentag im Oman, erzählen sie mir voller Stolz. An diesem Datum werden die Frauen beschenkt, es gibt Feste in allen Städten. Und was ist mit den Männern? Gibt es auch für sie einen Tag. Die Mädchen lachen: Nein, Männertag ist jeden Tag!

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