Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

In Nepal habe ich mich mit Klima- und Gletscherforschern getroffen. Denn wenn die Gletscher des Himalaya abtauen, ist das eine große Gefahr für die Wasserversorgung Indiens. Hier will ich aber kurz beschreiben, was ich auf den Straßen Nepals beobachten konnte:  Vor den Tankstellen reihen sich die Autos in endlosen Warteschlangen, ständig fällt der Strom aus. Das Land ist mitten in einer Energiekrise.

Indien ist mit Abstand der wichtigste Zulieferer Nepals für Gas und Öl. Aber derzeit liefern die Inder nicht mehr. Das ist sogar verständlich, denn Nepal zahlt seine Rechnungen nicht. Dem Land fehlt dazu das Geld, sagen manche. Andere glauben, die Zahlungen kommen einfach nicht in Indien an. Stattdessen verschwindet es in den Taschen korrupter nepalesischer Beamter.

Der Taxifahrer erzählt mir, dass er mehrere Stunden warten musste, bis er endlich an die Zapfsäule durfte. Dort muss er für nepalesische Verhältnisse auch noch horrende Preise bezahlen. Ein Liter Spritt kostet in Nepal deutlich mehr als einen Euro.

Auch die Stromversorgung ist zusammengebrochen. Selbst in Kathmandu, in dem die Stromversorgung üblicherweise noch einigermaßen verlässlich ist, fällt fast jede halbe Stunde kurz der Strom aus. Manchmal auch länger. Die Konferenz, die ich besuche, wird ständig unterbrochen und nachts laufe ich manchmal durch vollkommen dunkle Straßen. Selbst wenn ich mitten im Zentrum bin. Die einzigen Lichtquellen sind dann kleine Feuerchen von Obdachlosen oder die Scheinwerfer von provisorischen Polizeistützpunkten. Die Ausfälle können nicht durch Generatoren kompensiert werden. Den Diesel dafür können die Menschen nicht bezahlen.

Besonders bitter sind die Engpässe, weil Nepal die perfekten Bedingungen für günstige Wasserkraft hätte und auf Importe leicht verzichten könnte. Schätzungen gehen davon aus, dass Nepal derzeit nur 1,5 Prozent des Potentials ausnutzt.

Was für mich nach einer absoluten Ausnahmesituation aussieht, sind die Nepalesen leider gewohnt: Die Krise im Land ist chronisch. In den vergangenen Jahren kam es in den Wintermonaten bereits zu ähnlich starken Ausfällen. Die Medien reagieren mit humorvollen Protest: Seine Nachrichten trug der Moderatoran einem Abend bei Kerzenlicht vor.

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