Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Ohne größere Effizienz und eine höhere Industrialisierung der Landwirtschaft kann Ghana international nicht mithalten.  Es ist für Produzenten im Land nicht nur problematisch, Produkte zu exportieren, aufgrund der niedrigen Einfuhrzölle sind Importprodukte oft billiger, als die im Land hergestellten Güter.

Der Tomatendosenfabrikant Kwabena Adu Gyamfi hat bittere Erfahrungen gemacht. Doch sein Problem waren nicht die Importe, sein Problem waren die Produktionsbedingungen in Ghana.

Wann haben Sie angefangen, Tomaten anzubauen?

Es gibt in Ghana 4 große Tomatenfabriken. Eine in Bolgatonga im Norden, eine in Tema, eine in Techiman und eine in Wenchi. Früher waren das alles Staatsfirmen, dann wurden sie alle verkauft. Ich habe die Fabrik in Wenchi, nördlich von Sunyani 2005 kauft. Sie wurde ursprünglich 1965 von Staatsgründer Nkruhma gebaut. Als ich das erste Mal Areal besuchte, war ich entsetzt, dass war alles Schrott. Ich habe dann einen Haufen Geld investiert, um sie auf den neuesten Stand zu bringen. Dann habe ich zwei Jahre lang Tomaten, Chilischoten und Auberginen konserviert.

Wie lief das Geschäft?

Es lief sehr gut. Wir konnten gar nicht so viel produzieren, wie wir Käufer fanden. Wir haben geschälte Tomaten in Dosen produziert, und waren die einzigen Anbieter auf dem Markt. Es wird zwar viel Tomatenkonzentrat importiert, aber geschälte Tomaten lohnen sich nicht. Wegen des hohen Wassergehalts ist der Transport zu teuer. Wir konnten eine Dose für 60 Pesoas (das sind ca. 30 Eurocent) verkaufen. Heute wären sicherlich 80 drin.

Was lief schief?

Ich hatte es versäumt eigene Plantagen anzulegen, ich hatte auch kein Geld dafür. Ich habe aber Bauern in der Gegend ermuntert, Tomaten anzubauen, und Ihnen dann ihre Ernte abgekauft, doch wird hatten ständig Problem mit den Lieferungen. Das sind alles Kleinbauern, die bauen Tomaten so an, wie das in Europa jemand auf dem Balkon tun würde, nur ohne Bewässerung. Tomaten laugen den Boden sehr schnell aus, so dass die Bauern mir mit jeder Ernte weniger Tomaten lieferten.
Die Erträge waren sehr instabil, manchmal konnten wir nicht produzieren, dann stand die ganze Fabrik still. Ich könnte dort 200 Tonnen am Tag verarbeiten, manchmal bekamen wir nur 10 geliefert.

Also konnten sie nach und nach immer weniger produzieren, bis es sich nicht mehr lohnte?

Nein, es lief anders. Wenn ich da heute dran denke, werde ich immer noch stinksauer. Ich hatte eigentlich eine gute Idee, nahm noch einmal Geld in die Hand und unterstützte die Bauern um mehr und besser zu produzieren. Lieferte Ihnen Dünger und Samen für bessere Tomaten. Die Tomaten die hier im Land angebaut werden, eigenen sich nicht so gut zum Konservieren. Alles lief perfekt, die Bauern haben an Mengen Tomaten produziert, aber sie hielten sich nicht an die Verträge, sondern verkauften die Tomaten frisch zu einem höheren Preis, als ich ihnen zugesichert hatte. Klar, das waren auch Tomaten, die jeder haben wollte. Das brach mir das Genick, ich hatte viel Geld investiert und konnte nicht mehr produzieren. Seitdem steht die Fabrik still, die 85 Leute, die für mich gearbeitet hatten, musste ich entlassen.

Und da konnten sie nichts gegen machen, die Bauern verklagen, oder ähnliches?

Wie denn. Das sind alles Kleinbauern. Die Tomaten waren verkauft, und Geld konnte ich bei denen auch nicht holen. Ich ärgere mich aber maßlos über diese Kurzsichtigkeit. Als dann die Fabrik dicht war, lieferte ich natürlich keinen Samen und keinen Dünger mehr. Die Bauern bauten wieder die ghanaischen Tomaten an, hatten aber dafür keinen Abnehmer mehr. Die Preise brachen ein, und vielen von denen geht es heute schlechter als vor 5 Jahren.

Wie machen es denn ihre Mitbewerber? Es gibt doch noch einen anderen Produzenten von ghanaischem Tomatenkonzentrat?

La Bianca? Die haben die große Fabrik in Tema. Was die machen ist, Tomatenmark aus China in Fässern zu importieren, um es dann hier in Dosen umzufüllen.

Aber die werben doch damit, dass sie ghanaische Tomaten verwenden?

Das machen sie auch. ungefähr zwei bis drei Prozent des Tomatenmarks wird mit heimischen Tomaten hergestellt. Wenn die aber auf die Zulieferungen der ghanaischen Bauern angewiesen wären, dann könnten sie auch nicht produzieren. Und wie gesagt: Die ghanaischen Tomaten eignen sich nicht zur Konservierung, sie haben zu viele Kerne und sind zu wässrig. Ich kann das nicht, ich kann nicht einfach Tomatenmark importieren und umfüllen, wenn ich geschälte Tomaten anbieten möchte.

Was machen Sie seit die Fabrik still steht?

Ich baue selbst Gemüse an und verkaufe es frisch. Das ist aber nichts, was ich auf Dauer machen möchte. Das bringt auch nichts ein.
Ich will jetzt selbst die Tomaten anbauen. Ich war schon in Südafrika, um mit ein paar Experten dort zu sprechen. Einer besuchte mich in Ghana. Er war sehr verwundert, wie das hier abläuft. Er meinte, bei dem Klima hier wären 3 Ernten im Jahr drin. In Südafrika bekommen sie nur eine hin, und trotzdem produzieren sie effizienter als wir. Das muss man sich mal vorstellen. Wir haben hier schon ein Testfeld aufgebaut, da schaffen wir jetzt 60 Tonnen pro Hektar im Jahr. Woanders sind es 80 Tonnen. Wir sind immer noch weit von internationalen Standards entfernt.

Und warum tun Sie es nicht?

Das ist ganz einfach: Ich habe kein Geld. Ich brauche 5 bis 6 Millionen Euro Kapital, um selbst Tomaten auf 100 Hektar anzubauen. Ich war gerade gestern wieder bei einer Bank. Sie wollen 35% Zinsen für einen Kredit. Das muss man sich mal vorstellen, wer kann bei solchen Zinsraten denn noch investieren? Ich habe den Banken auch angeboten, selbst als institutioneller Anleger ins Geschäft einzusteigen, aber das wollen die Banken hier nicht. Alles was die wollen ist kaufen und verkaufen und damit Geld machen.

Das ist Hauptproblem?

Kapital! Das ist immer das Hauptproblem hier. Es gibt hier keine Banken, die einem Kredite geben. Es gibt auch keine Risikokapitalgeber, die mit ins Geschäft einsteigen, und sich später rauskaufen.  Gut, es gibt die Entwicklungsbanken, auch mit den Deutschen war ich schon in Kontakt- mit der DEG.  (Deutsche Entwicklungsbank) Aber die machen das auch nicht. Die steigen nicht als Minderheitseigener in ein Geschäft ein. Dazu kommt noch, dass sie manchmal jahrelang brauchen, um sich zu entscheiden. Die sage nicht einfach: Ok, wir steigen mit 6 Millionen ein, wenn es gut geht, haben wir in 5 Jahren 12, wenn nicht, ist das Geld halt weg, die geben mir auch keine billigen Kredite, aber genau das sollten die machen. Das wäre auch vernünftige Entwicklungshilfe: Kapital bereitsstellen für Unternehmer.

Warum kann das der afrikanische Kapitalmarkt nicht selbst besorgen?

Weil hier niemand spart. Noch nicht mal 10 Prozent aller Ghanaer hat ein eigenes Bankkonto. Dazu kommt noch die Inflation. Wer hier Geld hat, tut gut daran, es außer Landes zu schaffen, ich kann das gut verstehen. Würden Sie 6 Millionen Euro in Ghana anlegen?

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