Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Es ist unfassbar heiß in Beirut. Aber eigentlich ist es gar nicht so sehr die Hitze, die mir – und auch vielen anderen Menschen in dieser Stadt – da bin ich mir sicher – zu schaffen macht, sondern die Luftfeuchtigkeit. Man sucht also vergebens nach einem Schattenplatz….denn die Luftfeuchtigkeit bleibt ein ständiger Begleiter , der man nur in gut gekühlten Räumen entgeht. Ich hatte ja neulich schon mal geschrieben, dass der Strom hier immer ausfällt. Früher waren es täglich drei Stunden, jetzt musste ich feststellen, dass es oft sechs bis acht Stunden am Tag sind. Und das in einem Haus ohne Generator und dementsprechend dann auch ohne Klimaanlage in der stromfreien Zeit. Aber eigentlich darf man sich nicht beschweren, wenn man in Beirut City lebt: Geht man in die Flüchtlingslager der Palästinenser, dann haben die Menschen dort zwei Stunden Strom am Tag. Das wars. Mehr nicht. Jeder, der mehr Strom möchte, besorgt ihn sich entweder illegal (es soll Mittel und Wege geben – haben mir im Libanon schon so einige Menschen erzählt) oder zahlt viel Geld für einen Generator, was sich die wenigsten leisten können. Es ist wohl die größte Stromkrise, die der Libanon in seiner Geschichte erlebt hat. Es werden nur etwa 50 Prozent des Strombedarfs produziert, der Staat hat hohe Stromschulden und die gesamten Leitungen müssten mal erneuert werden. Das wird aber nicht getan. Anstatt einen Notfallstromplan ins Leben zu rufen, versucht man mit Hilfe türkischer Schiffe zusätzlichen Strom zu produzieren…ein Tropfen auf den heißen Stein. So lange die Regierung dieses Dauerproblem nicht angeht, müssen wir dann wohl weiter schwitzen.

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