Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Der Papst ist da. Ja, Benedikt XVI. ist in Beirut. Und irgendwie ist es gut, dass er gerade jetzt gekommen ist. In einer Zeit, in der der Krieg im Nachbarland Syrien tobt und in den Nachbarländern sämtliche Botschaften attackiert werden, Menschen wegen eines islamfeindlichen Films getötet werden. In Norden des Libanon gab es auch Ausschreitungen, eine Fastfoodfiliale wurde verwüstet – ein Mensch kam ums Leben. Viele fragen sich, ob es hier noch zu weiteren Gewalttaten kommt – ich denke eher nicht. Gerade sind die Sicherheitsmaßnahmen hier so hoch wie noch nie. Alle (wer auch immer das ist) sind bemüht, dass der Papstbesuch einigermaßen friedlich abläuft. Immerhin ist er unter anderem hier, um die Notwendigkeit des interreligiösen Zusammenlebens zu loben. Wie wäre das, wenn genau in dieser Zeit Christen und Muslime aufeinander los gehen würden? Bis zum 16. 9 bleibt Papst Benedikt im Libanon. Seine Anwesenheit zwingt die Menschen, sich zusammen zu reißen.

Aber dieses Wochenende ist nicht nur wegen des Papstes so wichtig: Vor 30 Jahren, 1982 während des Bürgerkriegs,  kam es zu dem Massaker in Sabra und Shatila an den im Libanon lebenden Palästinensern. Genau 30 Jahre ist es her, dass die israelische Armee in Zusammenarbeit mit christlich-libanesischen Milizien tausende von Palästinensern umgebracht haben. Neulich hat mir eine Frau davon erzählt, sie hat das Massaker überlebt. Sie weiß bis heute nicht wo ihre zwei Söhne sind. Sie konnte sie nie begraben.

Es sind diese Ereignisse, die den Libanon davon abhalten sich irgendwo einzumischen. Sie versuchen weitestgehend den Syrien-Krieg aus ihrem Land zu halten und von Revolution ist hier auch keine Rede.  15 Jahre Bürgerkrieg, dann 2006 der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah waren genug. Genug für jeden hier, ob Schiit, Sunnit oder Christ.

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