Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Meine indonesische Reisebekanntschaft Ellen spricht nicht nur wunderbar Englisch, sie hat mir auch den Kontakt zu einem Freund von ihr vermittelt. Pay sei genau der richtige Mann für mich an der Westküste Kalimantans. Per WhatsApp werden wir vernetzt – und ein paar Tage später sammelt mich mein neuer Freund am Flughafen von Pontianak ein. Die Westküste ist weiträumig in den Händen der großen Plantagenbesitzer. Mehr als 60 Prozent des einstigen Regenwaldes sind in der großen Provinz von Kalimantan Barat der Monokultur bereits zum Opfer gefallen. Deshalb bin ich hier auch genau richtig.
Mit Rucksäcken und Co geht’s mit Pays kleinem Moped vom Flughafen Richtung City. Pontianak ist die Hauptstadt von Kalimantan Barat, hier leben eigentlich alle von der Palmölindustrie. Die einen besser, die anderen schlechter, wie man an den sehr prunkvollen, aber auch sehr heruntergekommenen Wohnhäusern ablesen kann. Pay und ich verstehen und prächtig. Er arbeitet auch als Journalist, sein Haupteinkommen bestreitet er allerdings als Buchautor. Das ist aber nicht alles; Zudem ist Pay nämlich auch noch sein eigener Illustrator und Verleger – und bringt seine Werke als findiger Marketingstratege auch noch bestens unter die Leute. Wie so viele Indonesier ein echter Allrounder. An meinem Hotel angekommen eröffnet mir Pay: „Du hast ne halbe Stunde, dann haben wir das erste Interview mit einer NGO. Danach treffen wir einen Juraprofessor, der sich für die Rechte der Dayak einsetzt und dann müssen wir morgen früh raus, da hast du einen Termin mit dem Direktor vom WWF. Ich bin baff. Als ich eine halbe Stunde später wieder bei Pay aufs Moped krabbele und wir losknattern, fallen ein paar Regentropfen vom Himmel. In den Tropen nichts Ungewöhnliches – schon gar nicht in der Regenzeit. Doch der Indonesier an sich kann Regen nicht leiden, wer kann, flüchtet in sein Haus, wer Moped fährt, stellt sich unter. Wir suchen unter einem großen Wellblechüberhang Schutz, um den Guss abzuwarten. Ein anderes Moped gesellt sich zu uns, dessen Pilotin mein Freund lächelnd begrüßt. „Das trifft sich ja prima! Sumi, du musst meine deutsche Freundin kennen lernen. Vielleicht kann sie ein Interview mit dir machen?“ Sumi arbeitet als Frauenrechtlerin für eine NGO und bemüht sich, die Rechte der Frauen in den von Rodungen bedrohten Gebieten durch die Palmölplantagenbetreiber zu stärken. Na klar will ich ein Interview mit Sumi. Schnell tauschen wir Nummern aus, und knattern mit den ersten Sonnenstrahlen weiter.
Nach Interview Nummer Zwei machen wir einen Zwischenstopp in einer Climate Change Organisation. Hier kennt Pay natürlich auch den Chef, mit dem ich zwischen Tür und Angel über Carbon Trading und die grüne Lunge unseres Planeten schwatze. Schon entführt mich mein Journalistenfreund zum Essen. Beim Tee gesellt setzt sich ein weiterer Journalist zu uns an den Tisch. Alexander Mering ist Dayak und kämpft an vorderster Front gegen die Plantagen. „Komm doch übermorgen mit ins Dorf. Dann zeige ich dir, was unsere Strategie ist“. Ich bin perplex. Nach ewiger Recherche aus Deutschland und bestens geplanten Interviews ist kaum ein Termin zustande gekommen. Keine acht Stunden mit Pay, und mir liegt ein ganzes Netzwerk aus NGOs, Aktivisten und Journalisten zu Füßen, die sich größtenteils mit der Plantagenproblematik befassen zu scheinen. Wie geht das, will ich von Pay wissen. Er zuckt mit den Schultern und antwortet mit einem entwaffnenden Lächeln: „You know, I’m like Nokia. Connecting people!“

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