Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Punkt 7 Uhr hatte mir ein nigerianischer Kollege gesagt. Punkt 7 Uhr früh werden die Straßen in Kaduna State wegen Lokalwahlen dicht gemacht. Pünktlich in Nigeria, dachte ich mir um 6.30 Uhr in meinem Bett, kann nicht sein. 6.45 Uhr bin ich dann doch aus den Federn gekommen um 7 Uhr am Busbahnhof von Zaria zu stehen. Und tatsächlich: Dort stehen keine Busse. Nur Menschen, die freundlich auf ihre Uhr zeigen: „7am, restricted movement until 4pm.“ Ein Motorradfahrer bringt mich ins nächste Dorf und setzt mich direkt vor einem Wahllokal ab. Vielleicht fährt von hier was, ich soll warten. Mit der Zeit sammeln sich größere Menschengruppen an verschiedenen Ecken, die dann langsam Richtung Wahllokal ziehen. Die Stimmung wirkt angespannt, also gehe ich auf das Angebot eines anderen Motorradfahrers ein, mich bis in den nächsten Ort zu bringen, wo keine Wahlen stattfinden.

Schnell bereue ich meine semiintelligente Entscheidung, denn am frühen Morgen ist es verdammt kalt. Doch schon nach ein paar Minuten überholt uns tatsächlich ein Kleinbus, der zu meinem Zielort Katsina fährt. Glücklich steige ich um, nur um einige Kilometer weiter am Militärcheckpoint hängenzubleiben. „Restricted movement, you won´t move before 4pm“, sagt einer der schwer bewaffneten Soldaten bestimmt. Ich ärgere mich mehr darüber völlig umsonst so früh aufgestanden zu sein als über die Tatsache, dass der Checkpoint in diesem entlegenen Ort in den nächsten Stunden ein gutes Anschlagsziel für Boko Haram wäre. Doch nach einer halben Stunde dürfen wir plötzlich doch weiter. Das selbe Spiel läuft noch an zwei weiteren Checkpoints so, ehe wir gegen Mittag tatsächlich den friedlichen kleinen Ort Katsina. Hier gilt zwar wie in den meisten nördlichen Bundesstaaten auch die Scharia, aber in der Bar hinter meinem Hotel fließt schon um diese Uhrzeit reichlich Bier bei britischem Fußball. An Überraschungen mangelt es in diesem Land scheinbar nie.

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