Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Couchsurfen kann man mittlerweile weltweit. Fast überall gibt es Leute, die Reisenden in ihrem Haus kostenlos eine Matratze, ein Bett, eine Couch zur Verfügung stellen. Auch in Indien! Zu seiner Würdigung schreibe ich heute über meinen Gastgeber: Gopal Kishore, 28, Journalist und passionierter Couchgeber.

Staub, Mosquitos und Kakerlaken haben mich in den ersten Nächten hier in Bangalore umgeben. Die Organisation, die ich hier besuche, hatte mich in einem kleinen Hostel für Krankenschwestern untergebracht. 16 junge Frauen haben dort gewohnt, geschätzte 57 Kakerlaken. Und ich. Ruhe gab es niemals: Schon um 7 Uhr morgens liefen irgendwelche Hindi-Soaps in voller Lautstärke im Fernsehen.

Couchsurfing Home in Bangalore

Also beschloss ich umzuziehen. Da Hotelzimmer im Siliconvalley teuer sind, entschied ich mich für Couchsurfing. Wenn man in Indien eine Couch sucht, dann findet man vor allem junge Männer, die sich als Gastgeber anbieten. Es gehört schon etwas Mut und Vertrauen dazu, sich darauf als allein reisende Frau einzulassen. Gopal erschien mir von allen Vorschlägen für Bangalore am vertrauenswürdigsten: 28 Jahre alt, Journalist mit einem Master in Journalismus aus Chennai, er liebt Reisen, wandern im Himalaya, Meditation und Yoga. Gebucht!

Nun wohne ich also hier seit ein paar Tagen in diesem für indische Verhältnisse sehr großen fünf-Zimmer-Haus, indem Gopal mit seinen Eltern, Jaya Prakash und Lalath lebt. Ich habe ein großes Zimmer mit eigenem Bad, Balkon und Fernseher. Gopal liebt Gäste, deshalb leben hier momentan noch Schweizer Eddie, 61, Stress-Manager und Laufcoach und Frankfurterin Christina, 37, Anti-Rauch-Coach. Beide möchten in Bangalore Seminare anbieten, hier eine Weile leben und arbeiten.

Gastgeber Gopal auf einem Bike

Gopal und seine Familie sind Fullservice-Gastgeber: Wir bekommen dreimal am Tag leckeres südindisches Essen. Gopals Mutter Latha versorgt uns, als wären wir ihre eigenen Kinder. („What you like for dinner? Can I serve you some more?“) Morgens fährt mich Gopal auf seinem Mottorad zu meinen Terminen. (Wir schlängeln uns im Highspeed durch den Verkehr, was eine echte Herausforderung für meine Nerven ist.) Und abends unterhält er uns mit einem Film aus seiner 1.200 Filme umfassenden Sammlung.

Wer mal nach Bangalore kommt: Ein Aufenthalt bei Gopale und seiner Familie ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen! http://www.gopalkishore.com/

 

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