Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.
Moench im buddhistischen Kloster

Moench im buddhistischen Kloster

Egal, wohin wir gehen: ueberall liegt Muell rum. In den Straeuchern, am Wegesrand, in den Abfluessen, im Wald – einfach ueberall. Der Koch des Instituts, Gurung, geht heute mit mir spazieren. Er meint, dass die Muellproblematik schlecht fuer die Nepalesen sei. Ich erkundige mich nach einem Muellsammelplatz. Gurung sagt, so etwas gebe es hier, aber die Leute wuerden es einfach nicht nutzen. Wir gehen auf schmalen Wegen, die uns ueber Felder fuehren, durch Dorfstrassen, die teilweise richtig steil sind bis wir irgendwann ein Waldstueck erreichen. Dort liegt es, quasi aus dem Nichts kommend, komplett eingezaeunt und hinter einem grossen Tor versteckt: ein buddhistisches Kloster. Ich mache grosse Augen, als man uns Einlass gewaehrt um gleich darauf aus dem Staunen nicht mehr rauszukommen. Die komplette Anlage ist so sauber, dass ich hier glatt vom Boden essen wuerde. Alles ist total gepflegt und ueberall stehen kleine Gebetshaeuser und Tempel, die wunderschoen bemalt und verziert sind. In dem Kloster leben ganz junge Moenche. Ihr Gewand erinnert mich an das des Dalai Lama. Wir hoeren, wie in einem der Gebaeude gesungen bzw. gebetet wird. Einer der Moenche, die gerade unseren Weg kreuzen oeffnet uns das groesste Gebaeude am Platz. Einen sehr grossen Gebets- und wahrscheinlich auch Meditationsraum. Was ich hier sehe laesst mich augenblicklich verstummen und haut mich fast um. Am Ende des Raumes befindet sich ein riesengrosser goldener Buddha. Neben ihm sitzen noch andere, kleinere Buddhas. Vor dem riesigen Buddha befinden sich Kerzen und mittendrin ein grossen Foto vom Dalai Lama. Der ganze Raum ist mit sehr viel Liebe zum Detail verziert – ueberall gibt es Wand- und Deckenmalereien, alles ist bunt und auch hier ist nichts dreckig oder unordentlich. Es gibt ausserdem viele Kissen und kleine Holztischchen. Ich habe noch nie einen Raum erlebt, der solch eine Ruhe, Frieden und Glueckseligkeit ausstrahlt. Das alles uebertraegt sich sofort auf mich.

Noch ganz beseelt von dem Erlebnis treten wir den Rueckweg an. Egal, wohin wir gehen, ueberall sehen mich Kinder mit grossen, freundlichen, neugierigen und auch liebevollen Augen an. Manche lachen sich tot, nachdem sie mich mit einem #Hello, how are you?# begruesst haben. Ueberhaupt sind die Blicke der Kinder hier auffallend klar und offen.

Es gibt hier so gut wie kein Spielzeug. Die Kinder spielen mit Steinen oder Stoecken. Kein Vergleich zu dem, was es bei uns  in Deutschland alles zum spielen gibt. Ich habe hier erst einen einzigen Ball gesehen. Manchmal treiben Kinder einen Holzring oder einen Plastikdeckel mit Holzstaeben vor sich her.

Die Menschen hier sind alle draussen, das ganze Leben findet vor dem Haus statt. Mir faellt ausserdem auf, dass ich seit meiner Ankunft in Nepal noch kein iphone, ipad oder irgendein Notebook gesehen habe. Auch Handys werden hier ganz selten benutzt. Mein smartphone habe ich uebrigens vor Tagen ausgeschaltet und habee es gar nicht mehr bei mir. Vermisst habe ich es bislang nicht ein einziges Mal.

 

 

 

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