Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Heute haben wir die #Bright Future School# in der Naehe des #Shamanistic Research & Studies Centre# besucht. Es ist eine private Schule, die knapp 1200 Kinder und Jugendliche besuchen. Sie umfasst den Kindergarten bis zur zehnten Klasse. Fuer die letzten beiden Schuljahre muss man sich eine andere Schule suchen, doch auch die elfte und zwoelfte Klasse sollen in naechster Zeit hier angeboten werden.

Ich habe den Schulleiter getroffen, der sich sehr ueber meinen Besuch gefreut hat. Danach ist einer seiner Mitarbeiter mit mir in der Schule rumgegangen und ehe ich mich versah stand ich inmitten einer Schulklasse, in der gerade unterrichtet wurde. Ich wusste auf einmal nicht mehr, wie ich mich verhalten sollte, als ueber 30 Schueler versammelt aufstanden und mich wie aus einem Mund auf Englisch begruessten. Bislang kannte ich das nur aus meiner Schulzeit und soweit ich mich erinnern kann, sind wir zumindest in der Unterstufe jedes Mal aufgestanden, sobald ein Lehrer die Klasse betreten hat. Heute war es also das erste Mal andersrum. Etwas verlegen stand ich dann vor ueber 60 neugierigen Augen, die mich wieder einmal sehr herzlich und offen unter die Lupe nahmen. Die Lehrerin sprach mich im besten Englisch an und versicherte mir mehrmals, dass es ueberhaupt kein Problem sei, dass ich mitten in ihren Unterricht platze. Ich habe dann die Kinder gefragt, welches Fach sie am liebsten moegen und musste schmunzeln, als alle Faecher auf einmal zu Lieblingsfaechern erklaert wurden. Nach ein paar Fotos und meiner Verabschiedung wollte ich ganz gluecklich ueber so viel Herzlichkeit die Klasse wieder verlassen, aber denkste: wieder stehen alle versammelt auf und verabschieden mich lauthals auf Englisch. Selbst als ich an den Klassenfenstern vorbeigehe wird mir noch immer zum Abschied gewunken.

Die Klassenraeume sind viel kleiner als in unseren Schulen. Die Ausstattung ist sehr duerftig. Oft sitzen die Schueler zu dritt nebeneinander, auf einfachsten Baenken, an ganz einfachen Tischen. Es gibt eine Tafel in jedem Raum – mehr nicht. Und trotz all dieser – wir wuerden es vielleicht Widrigkeiten nennen, habe ich ganz interessierte und wissbegierige Kinder in den Klassen erlebt, die es nun mal nicht anders kennen und die grosse Lust auf Lernen haben, weil sie wissen, dass das ihr Ticket fuer eine gute oder vielleicht sogar bessere Zukunft ist. Ich bin seit heute uebrigens grosser Fan von Schuluniformen. Das macht ein sehr aufgeraeumtes Bild und hat etwas sehr Gepflegtes. Schuluniformen gibt es ueberall in Nepal – egal ob staatliche oder private Schule.

Eine sechste Klasse der #Bright Future School#

Eine sechste Klasse der #Bright Future School#

Nach der fuenften besuche ich noch eine sechste und neunte Klasse. In der neunten Klasse erkundige ich mich, ob alle nach der Schullaufbahn studieren wollen. Ja, alle. Meine naechste Frage ist, ob alle auch schon wissen, was. Auch hier wissen sehr viele, wohin die Reise gehen soll. Dann stelle ich noch eine letzte Frage: wer spaeter einmal ins Ausland moechte, um dort zu arbeiten. Mit der Antwort haette ich nicht gerechnet: ueber die Haelfte wollen ins Ausland, davon ganz viele in die USA. Angkame, mein Begleiter, Helfer und Unterstuetzer in Nepal erklaert mir, dass das der Wunsch vieler junger Nepalesen sei. Sie erhoffen sich im Ausland ein besseres Leben, mit mehr Geld als sie hier in Nepal verdienen koennen.

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