Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Der „Paisa“, wie sich die Bewohner Medellíns und der Region bezeichnen, an sich ist ein kleiner Mann mit dickem Bauch. Die „Barriga“ (Bauch, Wampe, Ranzen) ist dabei aber kein Ausdruck von Fettleibigkeit, sondern des Wohlstands. Viele Frauen rufen ihren Mann deshalb auch liebevoll „Gordito“ (Dickerchen) oder „Barrigoncito“ (Bäuchlein) und sind stolz drauf. Schließlich lässt das auf eine gute Köchin und eine gute Versorgung zu Hause schließen.

Aber es ist nicht nur die klassische Rollenteilung in Ernährer und Hausfrau, die zum Wohlstandsbauch der hiesigen Männer beiträgt, sondern es sind auch die Dinge, die die Männer (und natürlich auch die Frauen) hier zu sich nehmen. Es beginnt am Morgen mit Fleisch, geht am Mittag weiter mit Fleisch und endet am Abend mit Fleisch. Der „Paisa“ ist dabei ein einfacher Mensch, der mit täglich denselben Mahlzeiten durchaus zufrieden ist. Beispiel für ein solches, tägliches Leibgericht: „Bandeja paisa“ (Paisa Platte). Diese besteht aus – Achtung festhalten: „Chicharrón“ (frittierter Schweinebauch), „Chorizo“ (Würstchen), „Carne molida“ (Hackfleisch), „Morcilla“ (Blutwurst) „Fríjol“ (Bohnen), „Platano“ (frittierte Kochbanane), Spiegelei, Reis, Avocado, Salat und Kartoffeln – für eine Person.

Einem waschechten Paisa läuft bereits bei der Aufzählung der Zutaten das Wasser im Mund zusammen. Aber auch die anderen, regionalen Gerichte haben es in sich: „Sancocho de Gallina“ z.B., eine Kartoffelsuppe mit kompletten Hähnchenschenkel oder „Mondongo“, Enddarm vom Rind, der vorher richtig gut gewaschen werden muss, wie man mir sagte.Paisa Vorspeise

Vegetarier haben in Medellín einen schweren Stand und werden von den Leuten argwöhnisch begutachtet. Natürlich gibt es hier auch tausende Früchte von Maracuja über Mango bis zur Kokosnuss – aber ein stolzer „Paisa“ hat nicht richtig gegessen, wenn nicht Fleisch dabei ist – am liebsten frittiert. Im wahrsten Sinne – erschwerend – hinzu kommt, dass sich die sportlichen Ambitionen der Paisas in Grenzen halten. Zwar gibt es eine Menge kolumbianischer Spitzensportler und auch viele Fitnessstudios, aber die Bewegung der breiten Masse findet dann doch lieber im Auto statt. Der klare Vorteil: Niemand wird hier in Medellín diskriminiert, nur weil er dick ist.

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