Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Fuenf Tage sind wir jetzt unterwegs gewesen. In zwei verschiedenen Bergdoerfern haben wir gewohnt und wieder einmal eine Menge Dinge erlebt, die ich einfach aussergewoehnlich finde.

Schulkinder in Karthali

Schulkinder in Karthali

Zuerst sind wir nach Karthali (ca. 1800 m) gefahren. Ein  Bergdorf ca. 80 km nordöstlich von Kathmandu. Keine Autos, ein paar Motorraeder und Natur pur. Inmitten von Kuehen und Ziegen bahnen wir uns unseren Weg zu einer Art Jugendherberge. Die Aussicht ist wunderschoen, gleich fuenf Berge treffen sich inmitten des Tales, in das man blickt. Was mir als erstes auffaellt: die Verhaeltnisse hier sind noch einfacher als im Randgebiet von Kathmandu. Auch hier tragen die Kinder Schuluniformen, doch die sehen sehr oft sehr schmutzig und kaputt aus. Das Leben hier ist sehr einfach – und gut. Fast alles, was die Menschen hier brauchen wird selber angebaut oder mit Hilfe von Tieren erzeugt. Den Rest bringt ab und zu ein Bus bzw. Truck aus dem naechsten Dorf mit Einkaufsmoeglichkeiten hoch. Fuer die Kinder der Klassen eins bis zehn gibt es eine Schule vor Ort. Wer die 11. und 12. Klasse besucht, der muss ins naechste Dorf laufen. Wegstrecke: ca. eine bis anderthalb Stunden.

Die #oertliche Kneipe# in Phontang

Die #oertliche Kneipe# in Photang

Danach haben wir zwei Naechte in Photang (ca. 2200 m) verbracht. Was hier ganz krass ist, ist das Wetter. Es war deutlich kaelter als in Karthali, vor allen Dingen Nachts. Die zweite Nacht hat es sogar leicht geschneit. Macht besonders Freude, wenn es keine Heizung gibt. Im Gegensatz zu Karthali, unserem ersten Bergdorf, gibt es in Phontang noch nicht einmal Strom. Die #oertliche Kneipe# hatte eine Lampe, die mit Solarzellen betrieben wurde – so etwas hat sonst aber auch niemand. Wir wollten in der #oertlichen Kneipe# mal wissen, ob die Menschen hier wissen, wer der aktuelle Premierminister Nepals ist. Keiner wusste es. Das einzige Mal, das man die Uhr so ungefaehr im Auge hat ist, wenn die Kinder zur Schule muessen. Ansonsten richtet man sich nach der Sonne. Sobald es dunkel wird, brennt im Haus noch die Feuerstelle – mehr auch nicht mehr. Internet hat hier keiner. Das gab es in Karthali schon nicht mehr. Die Menschen in Photang haben ein Handy – das Maximum moderner Kommunikationsmittel. Es gibt keinen Verkehr, keinen Stress, alles wird so erledigt wie es passt und bis man eben damit fertig ist. Egal, wie lange es dauert. Nur fuer die Kinder ist so ein Bergdorf eine grosse Herausforderung: wer in die 11. oder 12. Klasse muss kann bis zu zweieinhalb Stunden Fussweg einrechnen. Wie gut, dass die Schulen erst gegen zehn Uhr beginnen.

Die Menschen in Photang haben auf mich alle einen sehr gluecklichen und zufriedenen Eindruck gemacht. Gastfreundschaft wird uebrigens auch hier sehr gross geschrieben. Es gab ueberall, wo wir #Hallo# gesagt haben sofort einen Tee oder Kaffee. Immer willkommen zu sein ist ein wunderbares Gefuehl.

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