Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Sonntagnachmittag, die Kirche ist aus und im Restaurant unter dem Mangobaum füllen sich die Bänke mit gut in traditionelle Kente-Stoffe gekleideten Menschen. Ho geht nämlich essen. Nur sonntags hat diese Lokal auf, dann gibt es traditionelle Fleischgerichte mit Fufu oder Banku. Ghanaer essen gerne Fleisch, in der Regel vom Huhn oder Rind, oft gibt es „Grascutter“, eine Art Buschratte. Nur „Babyfleisch“, das von uns geschätzte zarte Fleisch von Jungtieren lehnen sie ab. Berühmt ist das Restaurant unter dem Mangobaum für seine Schnecken. Die sind aber leider aus, ich will den Grascutter testen.

Traditionell essen die Ghanaer mit den Fingern der rechten Hand. Genaugenommen tun sie fast alles mit der Rechten, mancher Taxifahrer nimmt kein Geld aus der linken Hand an. Auf jedem Tisch stehen deshalb Karaffen mit Wasser, Waschschüsseln und Seife. Ghanaer lieben beim Essen zwei Dinge: Pfeffer – so scharf wie geht – und Suppen. Was uns Nudeln oder Kartoffeln sind, ist den Ghanaern Banku und Fufu. Beides sind etwas klebrige Klöße, Fufu in der Regel aus Maniok oder Jams und Kochbananen, die zusammen gestampft werden, Banku ist ein gesäuerter oder vergorener Kloß aus Maniok und Maismehl. Diese schwimmen in einer dieser heiß geliebten gewürzten Suppe aus roter Brühe, Erdnüssen oder Palmnüssen zusammen mit dem gegrillten Fleisch. Man sticht mit den Fingern etwas vom Kloß ab, zieht ihn durch die Soße und steckt ihn sich zusammen mit Fleisch in den Mund.

Gleich an meinem ersten Abend in Accra bin ich zu einer der sogenannten Chop-Bars, einem Straßenrestaurant im Stadtteil Osu geschickt worden. Dort bekam ich die andere Spezialität frisch vom Grill mit etwas dünn geschnittenem rohem Gemüse aus Tomaten, Paprika und Zwiebeln: Tilapia, also Fisch. Dazu den Pfeffer, eine im Mörser frisch zubereitete Paste aus einer der vielen hiesigen Chilisorten, Tomaten und Paprika. Überhaupt findet das Essen oft in den Chop-Bars an Ghanas Straßen statt. Auch auf Reisen über Land stehen an der Straße oft Grills, unter Palmdächern wird dann ein Stück Antilope in einem Sud mit einem halben Kürbis voll frischem Palmwein serviert.

Zum Frühstück isst man etwas frische Mango oder Ananas oder Karambol-Früchte. Natürlich am Straßenrand für ein paar ghanaische Cedis (ein Cedi entspricht etwa 0,45 Euro) gekauft. Wie auch Aufschnitt und Käse (ein Packet Kiri kostet etwa 4 Euro, ein Camembert ist nicht unter 15 Euro zu haben) ist auch Gemüse im Supermarkt nahezu unerschwinglich. Tagsüber und abends wimmeln die Straßenränder vor Grillständen mit Kelawele – Snacks aus gebackenen Bananen, Jams und gerösteten Erdnüssen. Zum Bier gibt es Würstchen und schön scharfe Fleischspieße, das „Khebab“. Da die Ghanaer scharf essen, sind europäische Gaumen gut beraten, es langsam anzugehen.

In vielen Reiseführern wird vor dem Essen in Chop-Bars und von Gemüse gewarnt. Ich habe noch keine Probleme gehabt. Salat und übermäßiges Gemüse, außer rohe Tomaten- und Paprikastreifen sowie Zwiebeln zum Fisch, sind den Ghanaern auch eher ein Gräuel, außer an Festtagen kommt so etwas nicht auf den Tisch. Trotzdem werden Vegetarier hier satt: Auch wenn die Idee vom Fleischverzicht den Menschen hier völlig unsinnig vorkommt, die toleranten Ghanaer nehmen es mit Humor und werden sicher etwas Leckeres in ihren Töpfen finden.

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