Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

„Ich habe eine Kirche gegründet“, antwortet in einem ghanaischen Witz ein Geschäftsmann einem anderen auf die Frage, womit er reich geworden sei. Tatsächlich gibt es in Ghana laut einer Studie der katholischen Kirche über 7700 Kirchen und Gemeinden. Und in der Tat, nicht nur in den großen Städten, sondern auch bei Fahrten über Land fallen die vielen Gemeinden auf. Sie heißen „Deeper Life Bible Church“, „Winner’s Church“, „Christ the Healer Church“ oder „Greater Grace Church“. In jeder Ortschaft Ghanas weisen Schilder und bemalte Betonwände den Weg in Gotteshäuser und zu Gebetsgruppen. Neben der Straße stehen große Betonsäle mit offenen Wänden oder baufällige Holzbaracken.

Die Ghanaer sind ein gläubiges Volk. Manche tragen von Prediger T.B. Joshua geweihtes Wasser mit sich herum. „Das wirkt gegen alles“, ist Ramon, Mitarbeiter im Landwirtschaftsministerium, überzeugt. In Ghana vermischen sich uralter Geisterglaube und das relativ neue Christentum zu einer starken Religiosität. Die Kirche sonntags kann gerne mal vier Stunden überschreiten und beim Damenfrisör schauen sich Frauen die Live-Sendungen verschiedener Fernsehprediger an, inklusive eingeblendeter Telefonnummer: „Call for a Prayer“.

„Gebetet wird hier für alles“, erklärt Mrs. Ohene, „vor allem für Geld und Erfolg.“ Die gebürtige Ghanaerin ist mit einem Deutschen verheiratet, gemeinsam leben sie zeitweilig in Ho. Ihre Nichte habe lange Jahre in der Schweiz gelebt und beim Zoll gearbeitet, erzählt Mrs. Ohene. Das Vermögen, mit dem sie jetzt in Ghana ein sehr gutes Leben führt, habe sie mit krummen Geschäften und Bestechung verdient, sagt sie. Die Nichte behaupte, „dass das der eindeutige Beweis dafür ist, dass ich nicht genug bete und sie gläubiger und gottesfürchtiger ist, als ich“, sagt Ohene. Sie schüttelt – in diesem Fall tatsächlich ungläubig – den Kopf.

Auch ich habe einen dieser Priester kennengelernt. Er gehöre zu den „Ambassadors of God Ministries“, erklärte er Rainer und mir, als wir ihn abends ein Stück mitgenommen haben. Zum Dank hat er einen Segen über uns gesprochen. Zweimal pro Woche habe er Gottesdienst, freitags und sonntags. Was er denn den Rest der Zeit mache, habe ich gefragt: „Ich studiere Buchhaltung und Finanzen.“ Wohin das führen kann, sieht man, wenn man auf der Ausfallstraße zwischen Accra und Tema unterwegs ist: große Villen in schicken „Compounds“, den überwachten Wohnsiedlungen. Da seien dann nicht selten die Leiter der lokalen NGOs ihre Nachbarn, behauptete der Fahrer, mit dem ich von Accra nach Ho gefahren war.

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