Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Wo komme ich her? Wo wohne ich? Wo bin ich hier? Wer bin ich eigentlich? Irgendwann können Alzheimer-Patienten auch die einfachsten Fragen nicht mehr beantworten. Sie verlieren nach und nach die Erinnerungen an ihr Leben und den Alltag, Verwandte werden zu Fremden. Ebenso wie in Europa steigt auch in Indien die Zahl der Demenzkranken stetig. 

Wieder Kind: Alzheimerpatient in Bangalore.

Wieder Kind: Alzheimerpatient in Bangalore.

Allein rund 30.0oo Alzheimerpatienten soll es in der südindischen Stadt Bangalore geben. Laut Nightingales Leiter Dr. Raja mag die wahre Anzahl noch  höher sein: „Viele Fälle von Demenz werden gar nicht erst als solche erkannt.“ Um dem entgegen zu wirken, klärt die Organisation auf und gründete vor ein paar Jahren das erste Zentrum für Alzheimerpatienten in Indien. Rund 70 Patienten werden dort momentan betreut.

Tashi betreut Alzheimerpatienten in Bangalore.

Tashi betreut Alzheimerpatienten in Bangalore.

Egal wo auf der Welt: Die Pflege von Demenz- und Alzheimerpatienten ist eine herausfordernde Aufgabe. Eine Ahnung von dieser Herausforderung bekomme ich beim Besuch des Heimes: Etliche Senioren irren orientierungslos durch die Gänge, manche fluchen vor sich hin, andere hängen schlafend in ihren Rollstühlen. Eigentlich eine bedrückende Atmosphäre, wären da nicht die herzlichen Pflegerinnen. „Es ist wirklich schwierig, motivierte Pflegerinnen zu finden“ berichtet Nightingales-Leiter Dr. Raja. „In Südindien gibt es kaum Krankenschwestern, die mit Demenzkranken arbeiten möchten. Deshalb rekrutieren wir Personal aus dem Nordosten Indiens.“ Vor allem aus Manipur stammt das überwiegend weibliche Personal. Die Rekrutierung erfolgt über Mund zu Mund Propaganda. Die Ausbildung zur Altenpflegerin bei Nightingales dauert drei Monate.

Die 33jährige Tashi arbeitet seit ein paar Monaten im Nightingale Alzheimerzentrum. Ihren Bürojob hat die Tibeterin an den Nagel gehängt, um sich um alte Menschen zu kümmern. „Für mich ist das die schönste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann“, sagt sie. Tashi stammt aus einem tibetischen Flüchtlingslager in der Nöhe von Mysore, rund 200 Kilometer von Bangalore entfernt. Auch hier engagierte sich Tashi schon für die Senioren des Camps. „Wer mit Alzheimerpatienten arbeitet braucht vor allem sehr viel Geduld und Herz.“


 

Archive