Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Brillanter Start: 30 Grad, erste Gesprächspartner getroffen, Zahnweh. Richtig Zahnweh, so dass ignorieren nichts mehr bringt. Die Guesthouse-owner’s daughter Sachi zückt ihr Mobile, versucht ihren Zahnarzt zu erreichen. „Oh, sorry Miss, the dentist is only in town once a month“. Krankenhaus – katholisches Krankenhaus, die ganze Stadt hier ist hochkatholisch, es scheint als leben alle der 7% aller Katholiken der Insel hier. „No dentist, sorry Miss.“ Endlich, der Freund des Zahnarztes, der nur einmal im Monat da ist, meldet sich nochmal: Ihm fiel ein Kollege ein, der heute ab 17.00 Uhr auf hat. Sachi ist begeistert: „He has fair prices, I pay for a filling 300rp (2,80!!! Euro).“ Sie war auch schon mal in einer Privatpraxis, erzählt sie und rollt die Augen. „Horrible“, sie musste 1800 rp (12 Euro) für eine Füllung bezahlen. „Soooo expensive, no good.“

 

Kinoatmo im Wartesaal

Durchgeschüttelt vom Tuktuk lande ich vor einem runtergekommenen Flachbau. 20 Quadratmeter. Stühle in 4er Reihen, wie im Kino. Vorne läuft pixliges Kinderfernsehen. 35 Grad. Der Raum gestopft voll. Eine gelangweilte Rezeptionistin mit Notizbuch und Blume vor sich. Kein Computer. Nur ein Telefon. „Yes, you can wait.“ Benebelt von drei Stunden pixligen Fernsehen werde ich reingewunken. Schuhe aus. Auf den Stuhl. Die Geräte (Bohrer) laufen mit einem Generator. Herr Doktor ist noch bei der anderen Patientin. Wir liegen zu zweit im Behandlungszimmer. Um die ältere Lady die neben mir liegt stehen ihr Mann, der Sohn und Mr Dentist. Große Diskussion. Mr Dentist läßt sie stehen, kommt zu mir. „You have a problem?“ „Yap“, hab ich. Und bin etwas confused. Denn Mr Dentist trägt Bundfaltenhose (mit Staubstreifen), weisses Hemd (über den Rücken krabbelt ein Käfer) und Krawatte (ohne Krawattennadel – die Krawatte baumelt mir beim in den Mund schauen ständig ins Gesicht…).

Der Herr Doktor und seine 4 ladies

Herr Doktor schaut, nickt, seine 3!!! Helferinnen (sehen alle aus wie 14!) springen. Reichen an. Spiegel, Kratzer, Watte. „Oh, you lost a filling, I will fix that, just a little drilling.“ Während er also drillt, ich fast abklappe, plärrt auf einmal eine laute Musik los. Die girls springen. Reichen dem Herrn Doktor an: sein Handy. Mr Dentist steht nun da, in der einen Hand den Bohrer, in der anderen das Handy, ich ausser Gefecht, da Bohrer im Mund. Super.

„Finished, 4000 Rs – 35 Euro.“ Diese „bossy“ Stimme kommt von Helferin Nummer 4 im Raum. Ihr Job: Geld eintreiben. Die korpulente ältere Dame trohnt also zwischen den beiden Stühlen, liest Zeitung und kassiert. „4000“??? „Yesyyes, lokals pay samesame.“ Mit fettem Grinsen landet das Geld in der Schreibtischschublade. Ich hätte gerne gewusst wieviel Mr Dentist dem buddhistischen Mönch, der jetzt dran ist, abknöpft…

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