Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

In Havanna gibt es heute dieses Sprichwort: „Frag einen selbstständigen Kubaner, wo er die Sachen her hat, die er verkauft, und er wird sagen: Von Roberto.“ Kubas gängigster Vorname ist in der Hauptstadt zum Synonym geworden für einen Händler, den es offiziell nicht geben darf.

Um die marode Wirtschaft wieder anzukurbeln hat die Regierung Castro eine halbe Million Menschen aus dem unproduktiven staatlichen Sektor entlassen und mit Lizenzen ausgestattet, die dazu berechtigen, Geschäften auf eigene Rechnung nachzugehen. Wie aber Geschäfte machen in einem System, das keine Privatwirtschaft kennt und in dem Privatbesitz länger als 50 Jahre verboten war? Havannas Altstadt ist in diesen Tagen voll von gelernten Handwerkern, Elektrikern, Mechanikern, Friseuren und Fahrlehrern, für welche die Regierung keine produktive Verwendung mehr sieht und die nun als einfache Händler durch die Strassen ziehen, um irgendwie ein Auskommen zu finden.

Alfonso, 61, hat jahrzehntelang als Blumenverkäufer gearbeitet und schiebt nun, da ihn die Regierung entlassen hat, von morgens bis abends mit gekrümmtem Rücken und einem selbstgebauten Obststand durch die Stadt. 40 CUC, etwa 32 Euro, verdient er damit im Monat. Ein Hungerlohn – und doch fast genauso viel, wie die Regierung ihm jahrelang zahlte. Wo Alfonso das Obst herbekommt? Natürlich: „Von Roberto.“ 


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