Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Ok, wir sind im ehemaligen Kriegsgebiet, Ostküste. Und ok, in allen Guidebooks steht „vermehrte Militärkontrollen“. So far, so good. Was das heisst: In jedem Dorf laufen Herren in steifen beigen Uniformen herum. Manchmal stehen sie unter Blechverschlägen, schauen grimmig auf das Verkehrschaos. Manchmal stehen sie im  Verkehr und winken. Ampelersatz. Aber: Das ist nicht das Militär, das ist die Polizei. Big difference! Denn das Militär läuft in Tarnanzügen herum. Mit Gewehr am Anschlag. Schaut genauso grimmig. Und blockt alle paar Kilometer die Strasse. Die locals nehmen das gelassen: „No problem Miss, this is just for security. You should have been there during the war! Impossible to travel, every 500m we had to show our ID! But now, this is great”!

Nur noch alle paar Kilometer eine Militärkontrolle, super!

Polizei, Militär, sie gehören einfach dazu. Auch im public bus. Den uralten, röhrenden Blechverschlägen auf vier Rädern, die keine europäische Lärmkontrolle überleben würden. Ca. 200 Leute passen rein. Und Reissäcke, Motorradreifen, Kokosnüsse. Doch was wenn man in einen Bus einsteigt – falsch – reingepresst wird, in dem schon 100 Leute stehen. Und vor einem, hinter einem, neben einem ein Polizist sitzt? Immer noch alles ganz normal? Ansichtssache, I guess! Denn wie die Polizisten saßen, das hatte System! Sie blockten den Fluchtweg, die Türen. Denn zwischen den Herren in Uniform blitzen die Handschellen hervor. Zwei junge Männer – einer mit Babyface, der andere mit Gangstergesicht – waren zusammengekettet und auf zwei Sitze gepresst! Das schien aber keinen sonderlich zu stören! Gefangenentransport im public bus, why not! Ist schliesslich um Längen billiger als ein Polizeiauto. 100km für 1,20 Euro.

Knastis im Bus – wen juckt’s?

Nach drei Stunden leichte Hektik, die zwei Handschellenträger werden herausgestossen, die 100 stehenden Passagiere machen artig Platz. Sechs freie Sitzplätze, zwei Gefangene vor dem Gerichtsgebäude. That’s everyday life im ehemaligen Kriegsgebiet! Not to worry Madame!

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