Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Shiranka erzählt nicht von sich aus, warum er so dunkle Flecken am Bein hat. Und warum sein Ellenbogen innen einen pickligen Ausschlag hat. Sieht auch kaum einer, erstens weil sein Lächlen einen echt in den Bann zieht und zweites: Shiranka ist ein lässiger Typ, er trägt Boardshorts und Jeans, die über die Knie gehen. Und T-Shirts mit Ärmeln. Da fallen die Flecken kaum auf. Außerdem: Viele Menschen hier haben komplett vernarbte Beine und Arme. „The Tsunami, you know“, sagen sie dann immer. Durch das viele Wasser und den Druck der Wellen schwammen jede Menge zerbrochene Scheiben, Glasscherben, Kühlschränke und  sogar Autos im Wasser. Es war heiß und keiner trug lange Klamotten, geschweige denn geschlossene Schuhe. Daher die Narben.

Nicht bei Shiranka.

 

Zum Schuften nach Korea

 

„I was 22. My parents didn’t allow me to join the army. I hardly earned any money with my housekeeping job in hotels. And at that time the government advertised signing up for jobs in Southkorea. To work for big companies in the electronic sector. The money was terrific. They organized everything: accommodation, job, visa. Sri Lanka has work agreements with many countries. And at that time there was hardly any good job around here. So I thought: why not.“

 

12 Stunden pro Tag, 6 Tage die Woche

 

Und da stand er dann in einer Riesenfabrik zusammen mit hunderten von Koranern und Sri Lankanern und schuftete. Er musste Elektronikteile zusammenbauen, am Band. „From 8am to 8pm. With a 5 minutes break for lunch and 30 minutes for dinner.“ Shiranka scheint heute nicht wirklich stolz darauf, dass er das gepackt hat, auch nicht, dass er sich getraut hat in ein Land zu gehen, wo er kein Wort verstanden hat. Worauf er aber sehr stolz ist: „I only had one day off. And on that day I joined a language course. None of my colleagues from back home has done that. So I was the only one who finally could communicate with Southkoreans .“ Doch dann kam alles anders. Shiranka hat zu einem Chemiehersteller gewechselt. Musste immer in Chemikalien greifen. „You should have seen the blisters at my arm then. They were as big as eggs!“ Das hat aber keinen  interessiert. Und dann flog das Fass. 1500 Kilo. Voll mit Chemie. Das Teil ist mit voller Wucht auf seinen rechten Fuss geknallt.

 

Fuss zerschmettert – statt Hilfe die Kündigung

 

„For three month I was in hospital.“ Und die Firma? Die hat ihn sofort rausgeschmissen. Wollte mit dem Vorfall nichts zu tun haben. Die Schmerzen, das Krankenhaus, das war zwar hart, erzählt er heute, aber da hat er sich durchgebissen. Was das Schlimmste war? „For three months I lied to my mum, I told her everything was ok. But I was suffering, I had no idea whether I would ever be able to walk again. But I didn’t want her to worry.“

 

700 Euro im Monat – und sie locken ihn noch immer

 

Laufen konnte er dann wieder – und landete prompt im Gefängnis. Quasi vom Krankenbett in den Knast. „The Visa-Officers came into the hospital. And because I had no job anymore my visa had been gone too, so yes, I was illegal.“ Nach zwei Wochen kam er endlich raus, endlich zurück in sein kleines Dorf an der Südküste Sri Lankas. Endlich konnte er seiner Mutter erzählen, was wirklich los war. „She cried. And she said: Never ever will you go to Korea again.“ Was er dazu sagt, heute, fünf Jahre später? „You know, it was damned good money. 700 Euros! Five times as much as you can earn here!!!“. Shiranka zuckt mit den Schulten, lächelt, nickt, und meint: „Yes, I would go there again. Because of the money. What to do Madame?“

 

“Jugend im Krieg? Wir kannten das Land gar nicht anders!” – Portraits. 1. Shiranka: “Ich wollte zur Armee!“  : http://bit.ly/shiranka

Jugend im Krieg 2: Dulan „Endlich Reisen – und zwar im ganzen Land!“       : http://bit.ly/dulan

Jugend im Krieg 3: Ugitha „Ehemaliges Kriegsgebiet? Great business!“ : http://bit.ly/ugitha

Jugend im Krieg 4: Caim und sein Dorf: vom Tamilencamp zum Party-Surfspot : http://bit.ly/caimsurf

Jugend im Krieg 5: Kasun spricht Klartext: „Präsident? Nur EINE gute Tat!“ : http://bit.ly/kasuntaxi

 

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