Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Dulan, 26, Tuktukdriver

Dulan Una 26

„Ja klar, die Leute haben über den Krieg gesprochen. Ständig – das war ganz normal, ich kenne das nur so seit ich klein war. Doch jetzt ist der Krieg endlich vorbei – es sind alle überglücklich. Nicht nur wir Singhalesen, sondern alle: Christen, Muslime, Tamilen. Und ich muss das echt nochmal sagen – nicht alle Tamilen sind Tamil Tiger, das ist doch nur eine kleine Gruppe! Woran man als erstes merkt, dass der Krieg vorbei ist? Ich zeig’s dir: Hier, die Leute, die Touristen da vorne mit den langen Klamotten, sie kommen aus dem Osten der Insel, aus dem ehemaligen Kriegsgebiet. Und sie schauen sich jetzt die Südküste an, genauso wie die europäischen Touristen! Alle reisen, das ist echt der Wahnsinn. Wer kein Tuktuk hat nimmt den Bus oder Zug. Der Staat subventioniert das so heftig, dass man in der dritten Klasse für 100km nur ein paar Cent bezahlt.

 

Eine Nation im Reisefieber

 

Fast 30 Jahre lang war das nicht möglich! Ok, ich habe mich ein paar mal nach Kataragama getraut.  Mit meinem Tuktuk. 23 Stunden war ich unterwegs. Die Stadt lag ja im Osten, also im Kriegsgebiet. Das ging schon, obwohl überall Militär rumstand. Aber zu dieser heiligen Stadt haben sie uns gelassen. Die Stadt ist nämlich nicht nur für uns Buddhisten heilig, sondern auch für Muslime und Hindus. Angst hatte ich aber schon ein bisschen – ich fuhr ja durch Tamlien-Gebiet. Jetzt ist das alles aber easy. Das erste, was wir nach dem Krieg gemacht haben? Mein Vater und ich haben die ganze Familie in zwei Tuktuks gepackt und sind an die Nordspitze der Insel gefahren! Wir wollten das einfach sehen! Ich glaube auch das ist der Schlüssel zum Frieden: sich gegenseitig kennenlernen, sehen wie die anderen Leben. Und vorallem: Miteinander sprechen! Unter jungen Leuten ist das echt kein Problem: Seit ich 12 bin musste ich in der Schule tamilisch lernen. Mein Tamilisch ist zwar nicht toll, aber hey, ich verstehe ein bisschen. Und zur Not können alle ein bisschen Englisch. Mein Traum? Einmal mit meinem Tuktuk nach Trinco! (Trincomalee)! Die Strände da müssen genial sein!“

“Jugend im Krieg? Wir kannten das Land gar nicht anders!” – Portraits. 1. Shiranka: “Ich wollte zur Armee!“  : http://bit.ly/shiranka

Jugend im Krieg 1: Shiranka, Teil 2: „Südkorea statt Armee“ : http://bit.ly/shiranka2

Jugend im Krieg 3: Ugitha „Ehemaliges Kriegsgebiet? Great business!“ : http://bit.ly/ugitha

Jugend im Krieg 4: Caim und sein Dorf: vom Tamilencamp zum Party-Surfspot : http://bit.ly/caimsurf

Jugend im Krieg 5: Kasun spricht Klartext: „Präsident? Nur EINE gute Tat!“ : http://bit.ly/kasuntaxi

 

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