Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Gehören die 400 Kilometer vor Argentinien gelegenen Falklandinseln zu Großbritannien oder nicht? Darüber liefern sich Politiker beider Länder seit Wochen heftige Wortgefechte. Die argentinische Bevölkerung ist in der Frage jedoch tief gespalten.

„Las Malvinas?“ Carlos Suárez braucht nur das Stichwort zu hören, um in Rage zu geraten. Malvinas – so heißen in Argentinien die Falklandinseln, die 400 Kilometer vor der Küste des südamerikanischen Landes liegen, politisch aber zu Großbritannien gehören. „Damit will uns die Regierung doch nur für dumm verkaufen“, sagt Suárez, der seit 30 Jahren sein Geld als Chauffeur in Buenos Aires verdient.

Seit Jahrhunderten streiten sich Argentinien und Großbritannien darüber, wem die Falklandinseln gehören, die seit dem 19. Jahrhundert von London verwaltet werden. Einzige Ausnahme: Ein kurzer, aber blutiger Konflikt im Jahre 1982, bei dem argentinische Truppen die Inseln besetzten, kurz darauf aber von den Briten wieder vertrieben wurden.

Seit sich der Falklandkrieg im vergangenen Jahr zum 30. Mal jährte, hat auch die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner den Ton gegenüber Großbritannien verschärft. Sie wird nicht müde, den Anspruch ihres Landes auf die „Malvinas“ geltend zu machen – und spricht stets von großem Rückhalt im Volk.

In Wahrheit ist die Bevölkerung jedoch tief gespalten. „Wir sind ein so großes Land, diese Mini-Inseln sind doch völlig unbedeutend“, beteuert Suárez. Die Regierung, glaubt er, wolle mit dem Thema beim Volk punkten. „Wir sind das Land der Korruption, indem sich Minister jeden Tag bereichern, während die Elendsviertel ohne Abwasseranschluss immer weiter wachsen. Da ist jede Ablenkung recht.“

Nach ihrer Wiederwahl im Jahre 2011 ist die Popularität der Präsidentin merklich gesunken. Bei mehreren Großdemonstrationen gingen im vergangenen Jahr mehrere Hunderttausend Menschen auf die Straße – gegen steigende Arbeitslosigkeit, Misswirtschaft und ein neues Pressegesetz, das viele als Gängelung regierungskritischer Medien ansehen. „Und dann kauft man eine Landkarte, auf der die Falklands als argentinisches Staatsgebiet eingezeichnet sind“, spottet der 30-jährige Systemanalyst Mercedes Goggi. „Als ob das was ändern würde.“

Andererseits bringt der Falklandkonflikt der Regierung durchaus die erhofften Sympathien ein. Überall in Argentinien finden sich Schilder, Graffiti und Plakate, auf denen der Anspruch auf die Inseln bekundet wird. „Die Briten sind nichts als Piraten“, echauffiert sich etwa der Rechtsanwalt Jaime Visceral. „Wir sollten mehr diplomatischen Druck auf England aufbauen“, sagt der 29-jährige, „vielleicht sogar ein Handelsboykott.“

Für viele ist die geografische Lage ausschlaggebend. „Wieso hat ein Land das Sagen, das Tausende Kilometer entfernt liegt?“, fragt Visceral und sieht darin einen Verstoß gegen internationales Recht. In Buenos Aires haben Veteranen unterdessen ein Zeltlager vor dem Präsidentenpalast errichtet, indem für die „argentinischen Inseln“ geworben wird. Der eigentliche Zweck ist jedoch ein anderer: Die ehemaligen Soldaten protestieren gegen Altersarmut – die Regierung zahle den viel gepriesenen Helden nicht einmal eine anständige Rente.

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