Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Um es gleich vorweg zu schicken: Szenen, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, in denen in Asien Fahrgäste vom Personal in die Züge gepresst werden, halb aus Fenster und Türen heraushängen und gerne auch mal aufs Dach der Bahnen steigen, sieht man in der Metro in Mexiko-Stadt nicht. Und trotzdem, in der U-Bahn einer der größten Städte der Welt kann es eng werden. Sehr eng.

In der Rushhour morgens und abends sieht die Fahrt ungefähr so aus: Der Bahnsteig ist voller Menschen, die auf die einfahrende Bahn warten. Die Bahn kommt. Die Fahrgäste darin pressen sich aneinander wie Sardinen in einer fahrenden Blechdose. Die Bahn hält. Die Türen öffnen sich. Es drücken sich etwa eine Handvoll Menschen aus jeder Tür. Etwa die gleiche Anzahl versucht, einzusteigen bzw. sich hineinzudrücken. Die Bahn fährt ab. Als Wartender rückt man eine Reihe näher an den Bahnsteig. Nach drei bis fünf Bahnen ist man dann selber an der Reihe. Die Fahrt verläuft erwartungsgemäß eng und am Zielbahnhof ist man froh, wenn man es schafft, auszusteigen und nicht mehr umsteigen muss.

Das Auto oder Taxi ist zu diesen Zeiten meist keine Alternative: Das überforderte Straßennetz führt zu innerstädtischen Staus, die Stunden dauern können. Immerhin: Vor 100 Jahren hatte die Stadt eine halbe Million Einwohner – heute sind es über 20 Millionen (wie viele genau weiß niemand). Das Fahrrad erfreut sich zwar immer größerer Beliebtheit, ist aber noch immer eine Randerscheinung. Das Verkehrschaos und rücksichtslose Autofahrer nehmen die Freude am Radeln durch Mexiko-Stadt.

Da das Gedränge für Frauen und Kinder besonders unangenehm ist und um zu vermeiden, dass schamlose Fahrgäste das hohe Passagieraufkommen für sexuelle Belästigungen ausnutzen, sind auf den meisten Linien die ersten Waggons für Frauen und Kinder reserviert. Trotzdem fahren diese auch oft in den hinteren Waggons mit – gerade wenn es dort außerhalb der Stoßzeiten genug Platz gibt. Die Metrostationen und Verbindungswege zwischen den einzelnen Linien sind mit Pfeilen auf dem Boden ausgestattet, die die Laufrichtungen angeben. Mit gelben Linien sollen die sich entgegenkommenden Menschenmassen aneinander vorbei geleitet werden.

Metro

Da die Zahl der Analphabeten in Mexiko vergleichsweise hoch ist, hat jede Haltestelle außer dem Namen auch ein einfaches Piktogramm. So muss man nicht lesen können, um von einer Station zur nächsten zu kommen. Auch der Preis ist mehr als kundenfreundlich: Für drei Pesos, umgerechnet 15 Cent, fährt man kreuz und quer durch die Metropole.

Ein Thema, was immer wieder für Diskussion sorgt, sind die ambulanten Verkäufer in den Haltestellen und den U-Bahnen. Was ich (noch) unterhaltsam und praktisch finde, stößt bei den meisten Fahrgästen auf Ablehnung. Auf einer 15-Minuten-Fahrt steigen ungefähr fünf verschiedene Verkäufer ein, die lautstark versuchen, ihre Ware an den Mann oder die Frau zu bringen. Dabei verkaufen sie nichts, was es nicht gibt: Kaugummis, Backwaren, Süßigkeiten, Raubkopien von CDs und DVDs, CD-Taschen, Kopfhörer, Taschenlampen, Batterien, Werkzeugfeilen, Seifenblasensets, Spielzeug, Bücher, Schutzfolien für Handydisplays, Schlüsselanhänger, Kunsthandwerk, Postkarten und vieles mehr… Wie gesagt, noch finde ich es unterhaltsam, wenn ein CD-Verkäufer mit einem Lautsprecherrucksack die Bahn betritt, den ganzen Waggon beschallt und seine Raubkopien der besten mexikanischen Popsongs für zehn Pesos (60 Cent) verkaufen möchte. Offiziell ist der ambulante Verkauf in der Metro zwar verboten, aber so richtig kontrolliert wird das nicht. Ich bin auf jeden Fall ein guter Kunde und kaufte schon Kaugummis, Süßigkeiten, die besten mexikanischen Popsongs, Kopfhörer, Batterien…

Archive