Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Da steht er also vor mir: ein kleiner, saftiger Burger in halbwegs festem Weißbrot. Die Pommes sind labbrig. Dafür sieht der Krautsalat aus, als wäre er genau so gerade in Deutschland oder den USA zubereitet worden – und sogleich wurde er nach Liberia gebeamt. Vielleicht erklärt das auch den stolzen Preis von 20 US-Dollar.

Ein Essen, das ich mir kürzlich einmal gegönnt habe, nachdem ich mir in einem äthiopischen Restaurant den Magen verdorben hatte und einen Tag lang auf Nummer sicher gehen wollte. Auch wenn dieser überteuerte Fleischbratling in etwa so gut zu Liberia passt wie ein Transvestit auf einen CDU-Parteitag – wobei der Transvestit dort eine bewusstseinserweiternde Funktion erfüllen würde, was man von dem Burger hier auf dem Tisch beim besten Willen nicht sagen kann.

Serviert wurde das Ganze übrigens in einem der Hotels hier, die westliche Standards erfüllen (Klimaanlage, Internet – und im Zimmer funktioniert tatsächlich alles). Und die dafür allen Ernstes gut und gern 200 US-Dollar die Nacht berechnen. Schon mehr als einmal habe ich mich gefragt, was die Europäer, Amerikaner, Asiaten, aber auch manche Afrikaner in den hübschen Anzügen hier in diesem armen Land wohl für Geschäfte treiben müssen, um einen Daueraufenthalt in einem solchen Hotel zu finanzieren. Aber das ist noch mal ein anderes Thema.

Etwas essen zu gehen – wenn man sich nicht unter höchst zweifelhaften hygienischen Bedingungen etwas an der Straße kaufen möchte – ist in Monrovia nicht so spottbillig wie beispielsweise Taxi zu fahren. Aber man kann für drei bis fünf Dollar in einem einheimischen Restaurant ein Mittagessen bekommen.

Es gibt dann meist einen Berg Reis, eines der Haupternährungsmittel der Menschen im Land, und in einem zusätzlichen Topf einen Berg Fleisch in irgendeiner Soße dazu. Das Fleisch ist oft knorpelig und hängt an schweren, aber auch ebenso schwer identifizierbaren Knochen. Ehrlich gesagt bin ich nicht wirklich sicher, ob alles, was mir hier schon als Rindfleisch verkauft wurde, wirklich Rindfleisch war. Anderseits hat es immerhin nicht die gelegentlich viel zu weiche Konsistenz von deutschem Kantinenfleisch, die einem die Frage nahelegt, ob es sich überhaupt um Fleisch handelt. Oder um irgendeinen Brei, über den man auch nichts weiter wissen will.

Da Monrovia direkt am Meer liegt, ist auch Fisch sehr empfehlenswert. Er landet stets neben einer kleinen Portion Reis und einer noch kleineren Portion Salat als Ganzes auf dem Teller, was mir sympathisch ist. In Deutschland ernähre ich mich – nicht ausschließlich, aber doch weitgehend – vegetarisch. Und ich finde, wenn man ein Tier isst, kann man es dabei ruhig auch ansehen. So ganz normal ist es ja nicht, dass in Deutschland manche Kinder glauben, das Fischstäbchen käme vom Stäbchen und nicht etwa vom Fisch, der vorher im Meer herumgeschwommen ist.

Es ist nicht ganz einfach, hier in einem Restaurant auch mal etwas ohne Fleisch oder Fisch zu bekommen. Ich habe aber zum Glück einen Bangladeschi bei mir in der Nähe gefunden, der auch das anbietet. Der erste Besuch spielte sich in diesem Restaurant, wie auch in manch anderem, in etwa so ab:

Erste Szene: Der bisher unbekannte, weiße Gast betritt den Laden. Schnell entsteht geschäftiges Treiben unter den Bediensteten. Wer weist dem neuen Kunden den Platz zu? Steht womöglich ein Bombengeschäft ins Haus?

Zweite Szene: Große Enttäuschung in den Gesichtern, als der Gast sagt, er sei gar nicht so besonders hungrig und wolle nur eine Kleinigkeit essen. Aber auch die wird in einer großen Schüssel und nach allen Regeln der Höflichkeit aufgetischt. Es handelt sich, wenn auch nicht so bestellt, um die größte Kleinigkeit der Welt.

Zahlen, Trinkgeld und so weiter. Wir spulen vor und springen zur Schlussszene unserer kleinen Kochshow:

Nachdem der Gast mehrmals zu Besuch war, wird er freundlich aber ganz normal empfangen. Zum Bier bekommt er jetzt kein Glas mehr dazu, sondern er darf endlich, endlich aus der Flasche trinken.

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