Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.
Junges Talent in Beirut's Musikszene: Sae Lis'

Junges Talent in Beirut’s Musikszene: Sae Lis‘

Mein Blick schweift durch das Café Urbanista in Gemmayze, Beiruts wohl bekanntestem Viertel für Clubs und Bars. Ich suche eine junge Frau mit rotem Afro-Lockenkopf. Doch von roten Locken keine Spur. Nach ein paar Minuten kommt zarte Frau mit dunklem Shirt und Ballerinas die Treppe vom oberen Stockwerk herunter. Sie sieht mich und strahlt, sodass nicht nur ihre Augen, sondern auch ihre Sommersprossen leuchten. „Ich mag die junge lockere Atmosphäre in diesem Café, und sie sind so nett und verkaufen meine CD“, sagt Sae Lis‘. Eigentlich heißt sie Elissa, genauso wie eine bekannte kommerzielle Sängerin in Libanon. „Sie hat die gesamte Welt unter ihrem Namen registriert. Da gab es keinen Platz mehr für mich, vor allem in der digitalen Welt“, sagt Sae Lis‘. „Also habe ich die Buchstaben gemixt. Einen komplett anderen Namen wollte ich nicht, weil ich meine Identität nicht verlieren wollte. So ist es immer noch mein Name, aber ein bisschen durcheinander gebracht.“ Sae Lis‘ lacht, und ihre Sommersprossen lachen mit.

Für Sae Lis‘ war die Rückkehr nach Beirut eine Achterbahnfahrt

Wir sprechen Englisch, denn die meiste Zeit ihres Lebens hat Sae Lis‘ im Ausland verbracht. Ihre Eltern sind von Libanon nach Westafrika ausgewandert. Als sie neun war, ist sie mit ihrer Mutter, einer Choreographin, nach Paris gezogen. Danach folgten Stationen in Libanon und in den USA. Jetzt ist sie zurück. „Die Musikszene hier ist so interessant und so ungewöhnlich“, sagt die 30-Jährige, „Die vier Jahre, die ich wieder hier bin, waren eine Achterbahnfahrt.“

Kurz nach ihrer Ankunft hat sie mit dem derzeit wohl bekanntesten Künstler Libanons zusammen gearbeitet: Ziad Rahbani. „Für mich war das ein toller Einstieg“, sagt Sae Lis‘, gleichzeitig habe sie einen großen Druck gespürt. „Entschuldige, wenn ich das so sage, aber ich musste meinen Scheiß drauf haben. Es war wie ein Boot Camp, keine Scherze mehr.“

In ihren Songs spricht Sae Lis‘ an, was sie stört

Sae Lis‘ schreibt ihre Songs selbst. Häufig klingen Elemente aus Jazz und Soul durch. Ihr erstes Album „The Quest“ hat sie kurz nach ihrer Rückkehr aus den USA geschrieben. Die meisten Songs darauf sind auf Englisch. „In meiner Musik spreche ich an, was mich stört und was ich als zerstörerisch für das Land empfinde“, sagt Sae Lis‘. „Ich spreche über Frauen, die sich mit Botox hingerichtet haben oder darüber, wie Beirut vom Ausland aufgekauft und komplett demontiert wird.“ Im Song „Girlfriend“ fragt sie eine Freundin, warum sie sich so verändere und sich nicht so liebe wie sie sei. Viele erfolgreiche libanesische Sängerin haben mehrere Schönheits-OPs hinter sich. Sie lassen sich die Nase richten, die Lippen aufspritzen oder den Busen vergrößern. „Mich ärgert das, denn diese Frauen denken nicht an die Botschaft, die sie aussenden“, sagt Sae Lis‘. Das führe dazu, dass bereits 15-jährige Mädchen in Libanon eine andere Nase oder einen anderen Busen wollen. „Das bricht mir das Herz. So sollten Mädchen nicht groß werden.“

Ihre Lieder sind für Sae Lis‘ eine Möglichkeit, sich auszudrücken. „Ich möchte eine Nachricht senden, und wer sie hören will, der hört meine Musik.“ Bisher wird sie erst von wenigen Libanesen gehört. Denn hinter Sae Lis‘ strahlendem Lächeln blitzt manchmal ein bisschen Schüchternheit und sehr viel Bescheidenheit durch. Dabei hat sie großes Potenzial. Im vergangenen Jahr hat sie Libanon beim „Jeux de la Francophonie“ vertreten, einem Wettbewerb französischsprachiger Länder. Zusammen mit ihren beiden Mitstreitern, einem Perkussionisten und einem Musiker, der Oud, die arabische Laute, spielt, hat sie hat die Silbermedaille gewonnen. Für einen Song über Beirut, das immer mehr verbaut wird und in dem die alten charakteristischen gelben Häuschen großen Hochhaustürmen weichen müssen. „Es sieht inzwischen aus wie in einem Mini-Dubai. Viele Leute mussten umziehen, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten konnten“, sagt Sae Lis‘. Das habe die Menschen verändert. Libanon sei für seine Freundlichkeit bekannt gewesen und dafür, dass die Menschen jedem ihre Haustür geöffnet haben. Das sei heute anders, findet Sae Lis‘ und fügt hinzu: „Ich kann nicht mehr tun, als einen Song darüber zu schreiben.“

Links:
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In her songs Sae Lis' also criticises society

In her songs Sae Lis‘ also criticises society

Sae Lis‘: „I want to give out a message with my songs“

‚Look out for a girl with a red afro‘, I tell myself as I enter Café Urbanista in Gemmayze, Beirut’s most famous quarter for clubs and bars. But no red curls to be seen. A couple of minutes later she comes down the stairs from the floor above, wearing a dark shirt and ballerina. She is smiling at me in a way that not only her eyes are shining but also her freckles. “I like the atmosphere in this café and they are selling my CD”, Sae Lis’ says. Her real name is Elissa, like a famous commercial singer in Lebanon. “She registered the entire world under her name. So there was no space for me to exist, especially on the net”, Sae Lis’ says. “So I mixed the letters. I didn’t want to go for a complete different name, because I felt I would lose a part of my identity. This way it is still my name, but mixed up.” Sae Lis’ smiles and again her freckles, too.

We speak English, because most of her life Sae Lis’ has spent abroad. Her parents immigrated to West Africa. At the age of nine Sae Lis’ moved to Paris with her mother, who works as a choreograph. Stops in Lebanon and in the US followed. Now she is back in Beirut. “The music scene here is very interesting and so eclectic”, 30 year old Sae Lis’ says, “It has been four years that I’m back here and it has been a real rollercoaster.”

Soon after her arrival in Beirut she started working with the most famous recent artist in Lebanon: Ziad Rahbani. “For me that was a great way to start”, Sae Lis’ says. At the same time she felt a lot of pressure. “Excuse my language, but I had to know my shit. It was really boot camp, no jokes anymore.”

Sae Lis’ writes all her songs. They have influences from jazz and soul. Her first album “The Quest” she composed soon after her return from the US. Most of the songs are in English. “In my music I criticise what I don’t like and I criticise what I feel destructive for my country”, Sae Lis’ says, “I talk about females, who botoxed themselves to death. I talk about how Beirut is being bought by other countries and completely destructed.” In her song “Girlfriend” Sae Lis’ asks a friend, why she is changing herself so much and why she doesn’t love herself as she is. In Lebanon’s commercial music scene many singers have plastic surgery. They have their noses straightened, their lips boost and their breast enlarged. “This is what pisses me of about that business, because they don’t care about the message they are delivering”, Sae Lis’ says. In her opinion this had led to a point, at which 15-years old girls in Lebanon want to do their nose or their boobs. “It breaks my heart. That’s not the way a girl should grow up.“

For Sae Lis’ her songs are a way to express herself. “I want to give out a message, and if people want to hear it, they just listen to the music.” At the moment a rather small group of Lebanese are listening to her music. Behind Sae Lis’ radiating smile sometimes a little shyness and a lot of modesty flashes, although she has a great potential. Last year she represented Lebanon at “Jeux de la Francophonie“, a contest for all French speaking countries. Together with her two companions, a percussionist and a musician, who played oud, the Arabic lute, she won the silver medal. For a song about Beirut, a city that has been rebuilt and where most of the characteristic old yellow buildings are replaced by skyscrapers. “It looks like a Mini-Dubai. Many Beiruti has to move, because he cannot effort an apartment anymore”, Sae Lis’ says. This has had an effect on the people, she noticed. Lebanon was famous for its warmth and friendliness. People opened their houses to everybody. Sae Lis‘ feels that this has changed. „There is nothing else I can do than writing a song about it.”

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