Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Eigentlich hatte ich mir das alles etwas einfacher vorgestellt: Computer hochfahren und losbloggen. Aber so leicht wollte mir das Elektrizitätswerk in Gisenyi die Sache dann doch nicht machen. Seit einer Woche gibt es zwischen 8 Uhr morgens und 19.30 Uhr abends keinen Strom. Voraussichtliche Dauer: etwa 3 Wochen. Eine Reparatur, sagen die Leute auf dem Marché, andere meinen, es läge an der Regenzeit, das Leitungsnetz wird erneuert oder aber es hätte mit dem neuen Glasfasernetz zu tun. Wer weiß das schon. Immerhin, im Projekt PAGI gibt es einen Stromgenerator, und davon darf ich nun profitieren, nachdem der Rechner über eine Woche lang durch eine heftige Virenattacke außer Gefecht gesetzt war. Unter freundlicher Anteilnahme der einheimischen Projektmitarbeiter bekomme ich Fahrstunden auf einer Honda CTX 200 Bushlander. Nach etlichen mißlungenen Versuchen und abgewürgter Maschine drehe ich meine ersten Runden auf dem Hof des Projektes. Ab morgen soll es dann erstmals ins Gelände gehen. Na ja, sagen wir ein offener Platz im Fussballstadion. Die Aufmerksamkeit aller Kinder des Quartiers ist mir gewiß. Eine Mzungu auf dem Moped. Endlich mal was los im Viertel. Beim morgendlichen Einkauf auf dem Markt versuche ich mein noch spärliches Vokabular in Suaheli zu erweitern. Jeden Tag drei neue Worte und viel Gekicher bei den Marktfrauen. Am Busbahnhof gibt es eine Verkaufsausstellung tansanischer Produkte. Die Mamas verkaufen Perlenketten, Sandalen und bestickte Batikgewänder. Ich interessiere mich für ihre Perlen und sie wollen wissen, was ich damit anfangen will. Also zeige ich ihnen ein paar selbstgemachte Ketten und schon wollen sie wissen, wie die hergestellt werden. Ab morgen biete ich also eine kostenlose „formation“ für Perlentechnik mitten auf dem Busbahnhof in Gisenyi an. Umgekehrt lerne ich wieder ein paar neue Wörter Suaheli. Nächstens mehr, es gibt genug zu tun, die nächste Fahrstunde ist fällig.

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