Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

… dann feiert die ganze Nation. Und das nicht nur am 5. Dezember, dem eigentlichen Geburtstag, sondern auch noch die Tage darauf. Denn die Beziehung zwischen den Thais und ihrem König ist eine besondere.

Thailand ist eine konstitutionelle Monarchie. Staatsoberhaupt ist König Bhumibol Adulyadej, und das schon seit 1946. Damit ist er der Monarch, der weltweit am längsten auf dem Thron sitzt (noch vor Queen Elizabeth in Großbritannien). Und obwohl der betagte König nicht mehr so häufig öffentlich auftritt, hat er im täglichen Leben noch eine enorme Präsenz: Er ist bei jedem Griff ins Portemonnaie dabei, weil sein Antlitz sich auf sämtlichen Geldscheinen und Münzen wiederfindet. Darum sollte man auch tunlichst vermeiden, auf am Boden liegendes Geld zu stolpern – man würde schließlich (symbolisch) dem König ins Gesicht treten.
Erinnert wird jeden Tag um 18 Uhr an den Monarchen. Dann hält das Leben in öffentlichen Gebäuden für einen Moment an und die Hymne des Königs erklingt. Das sieht, zum Beispiel an Bangkoks Hauptbahnhof, kurios aus: Wer vorher bequem auf Boden oder Stuhl saß, erhebt sich beim Klang der ersten Note. Egal, ob Thai-Mutti, Mönch oder Backpacker (Der forsch mit „Get up, get up“ aufgefordert wird). Alle lauschen bedächtig, bis nach zwei Minuten das Treiben im Bahnhof weiter seinen Gang geht, als wäre nichts gewesen.Ob in Restaurants, vor Rathäusern oder in Einkaufszentren: An den überlebensgroße Bildnissen des Königs, meist in schweren, verzierten Goldrahmen, kommt man nicht vorbei. Seinen Höhepunkt hat die Verehrung nun am 5. Dezember gefunden in einer riesigen Feier, die sogar die derzeitigen Proteste zum Pausieren gebracht hat. Denn aus Achtung dem Staatsoberhaupt gegenüber geht man nicht auf die Straße an diesem Tag. Stattdessen kommt man zusammen. Was man zu diesem Anlass trägt? Gelb natürlich, die Farbe des Königs. Also strömen tausende Thais bekleidet mit gelben Poloshirts, Krawatten oder Kleidern an öffentlichen Plätzen zusammen.Zum Beispiel am Siam Square, einem großen Platz in Bangkoks Stadtzentrum, wo es den ganzen Tag über ein buntes Programm mit Musik und Reden, übertragen auf einem großen Bildschirm, gibt. Gegen Abend stoßen Vertreter von Botschaften und der Kultusminister hinzu, gelbe Kerzen werden verteilt, langsam wird es dunkel. Wenn dann die Nationalhymne erklingt, die Kerzen angezündet werden und hunderte von Menschen anfangen, zu singen, sorgt das für Gänsehaut. Die Kamera fängt die Stimmung ein und wirft die Bilder aus die Großleinwand – darunter eine ältere Thai, die ein paar Tränchen in den Augen hat in diesem Moment, als die Stadt auf einmal ganz ruhig wird.

 

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