Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

So langsam bekomme ich ein Gefühl dafür, wie es sein wird, Weihnachten bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 25 Grad zu verbringen: ungewohnt, aber schön. Natürlich hätte ich auch Lust, mich auf einem Weihnachtsmarkt in Deutschland mit Glühwein und überteuerten Champignons in Kräutersoße in Festtagsstimmung zu bringen. Aber hier in Mexiko sind diese saisonalen Höhepunkte mitteleuropäischer Imbisskultur weit, weit weg.

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Die Jahreszeiten sind hier kalendarisch nicht um ein halbes Jahr versetzt, da das Land entgegen der Vermutung vieler zu Nordamerika gehört. (Als bevölkerungsreichstes spanischsprachiges Land der Erde ist Mexiko gleichzeitig Teil von Lateinamerika.) Das Klima zeichnet sich – ungeachtet regionaler Unterschiede – dadurch aus, dass die Tageshöchsttemperaturen das ganze Jahr lang angenehme 20 bis 30 Grad betragen und die Regenzeit saisonal deutlich begrenzt ist. Kaltfronten, die das touristenfreundliche Klima für ein paar Tage deutlich abkühlen und meistens aus den USA kommen, werden durchnummeriert. In den Wetternachrichten ist momentan „el frente frío 19“ Thema Nummer eins.

Auch wenn tagsüber das Wetter sommerlich ist und kaum einen Gedanken an das bevorstehende Weihnachtsfest zulässt, so kühlt es abends derart ab, dass Kälte und allgegenwärtige Weihnachtsbeleuchtung doch so etwas wie gewohntes Festtagsambiente kreieren. Grundsätzlich ist etwas unangenehm, dass kaum ein Gebäude in Mexiko eine Heizung hat. Dadurch ist es tagsüber innen ziemlich kalt, während sich draußen der immerwährende Sommer austobt. Diesen Blogeintrag schreibe ich in der Lobby eines Hostels in Querétaro, Wiege der mexikanischen Unabhängigkeit und Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates im Landesinneren. Draußen scheint die Sonne mit voller Kraft, hier drinnen in Reichweite des WLANs sitze ich mit Winterjacke und kalten Füßen.

An der Weihnachtsbeleuchtung der Mexikaner erkennt man übrigens deutlich ein eher ungewohntes Verständnis von stilvoller Dekoration. Schlichte, in Deutschland übliche Lichterketten sieht man hier wenig. Stattdessen blinkt und blitzt es bunt, Plastiktannen und künstliche Weihnachtsmänner mit Rentieren dekorieren Gärten und Zimmer, oft begleitet von gefiepsten Weihnachtsmelodien, die auf die kommenden Festtage einstimmen sollen. In diesem Zusammenhang sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass sobald es dunkel wird, bunte Neon-Kreuze auf fast jeder Kirche den Gläubigen den Weg weisen sollen – und zwar ganzjährig. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

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