Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

„Wenn sie zu hübsch ist, ist es bestimmt ein Ladyboy“, sagt mir eine thailändische Freundin. Wir sitzen in einem Café und rätseln beide, welches das wirkliche Geschlecht der hübschen Dame am Nebentisch ist.
Ladyboys gehören zu Thailand wie Tempel und Straßenstände: Junge Männer, die sich wie Frauen kleiden. Nicht unbedingt so übertrieben wie die Drag Queens à la Olivia Jones in Deutschland, sondern verblüffend authentisch, sodass man tatsächlich zweimal hinschauen muss. Manchmal erkennt man den Mann dahinter nur am Adamsapfel, der sich nunmal nicht überschminken lässt (obwohl es dafür wohl auch schon Operationen gibt), der Statur mit breitem Kreuz und schmalen Hüften oder spätestens an den Händen. Die können noch so perfekt manikürt und lackiert werden, sie bleiben Männerhände.

Ob alle Ladyboys auch homosexuell sind, konnten mir thailändische Freunde nicht eindeutig sagen. Manche Ladyboys haben feste Freunde, manche Freundinnen. Manche mögen nur die Verkleidung, andere machen ernst und lassen sich ganz umwandeln. Das ist günstiger als bei uns: Eine komplette Geschlechtsumwandlung kostet in besseren Kliniken 8000 bis 12.000 US-Dollar. In Deutschland zahlen viele Krankenkassen für die Operation, allerdings nur, wenn vorher einige Bedingungen und Nachweise erfüllt sind. Unbürokratischer ist der Weg ins Ausland. Eine Schönheitsklinik mit Standorten in Bangkok und Pattaya preist in einer deutschsprachigen Zeitung ihre Dienste an: „Geschlechtsumwandlungen, Facelift, Augelider, Nasen-OPs, Implantate, Brustanhebung…“ Eine lange Liste.

Schön sein ist überhaupt wichtig in Thailand. Überall lassen sich Frauen ihre Nägel machen, überall lächeln Werbegesichter auf einen hinab. Die sehen eher wie Amerikaner mit einer asiatischen Oma aus als wirkliche Thais. Und sie sind jung, schön und vor allem weiß. Zum Schönheitsideal der Thais gehört eine möglichst helle Haut, angeblich durch westliche Einflüsse entstanden, aber auch Zeichen für ein höheres Einkommen, da man sich nicht in der Sonne aufhalten muss. In den Drogerien gibt es zig Cremes und Lotions, die die Haut aufhellen sollen, zu ziemlich happigen Preisen. Als ich eine thailändische Bekannte frage, ob sie die Produkte benutzt, bejaht sie. „Aber dass sie wirklich wirken, glaub ich nicht.“


Im Herbst letzten Jahres sorgte der Weißwahn für einen Skandal: Die Firma Citra, die zu Unilever gehört, hatte zur „Citra 3D Brigthening Girls Search“ ausgerufen: Thailändische Studentinnen sollten ein Bild von sich mit der Weißmacher-Bodylotion der Firma einschicken. Als Preise lockten unter anderem Studienstipendien. Die Kampagne heimste starke Kritik ein, weil Intelligenz mit heller Haut assoziiert wurde. Der Slogan übrigens ist doppeldeutig: Bright bedeutet einerseits hell, aber auch klug.

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