Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Morgen steht die Stadt still. Das ist zumindest der Plan der Demonstranten, die Bangkok ab dem 13. Januar für mindestens 15 Tage lahm legen wollen. Mit dieser Aktion wollen sie mehr Druck auf Premierministerin Yingluck Shinawatra ausüben. „Bangkok Shutdown“ ist der neueste Streich eines seit zwei Monaten andauernden Versuchs, die aktuelle Regierung zum Rücktritt zu bringen.
Der Konflikt selbst ist viel älter: Seit Jahren geraten Mittelklasse und Monarchieanhänger immer wieder aneinander gegen die meist ärmeren, aus ländlichen Regionen stammenden Unterstützer Yinglucks und ihres Bruders. Thaksin Shinawatra war vor seiner Schwester Premier und wurde 2006 in einem Militärputsch gestürzt. Die Demonstranten beschuldigen die Shinawatra Familie der Korruption und Vetternwirtschaft. Bislang hält sich das Militär zurück und versucht, neutral zu bleiben – obwohl es Gerüchte von Geheimtreffen und Plänen eines Putsches gibt.
Auch die Tatsache, dass Yingluck eine Neuwahl für Anfang Februar angesetzt hat, konnte die Lage nicht beruhigen. Denn die Demonstranten befürchten eine Wiederwahl der momentanen Regierung. Ihr Plan: Eine Art Bürgerrat, der politische Reformen einleiten soll.
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Nun also der Shutdown am Montag. Wie groß dieser ausfallen wird, lässt sich nur erahnen. Jeder bereitet sich anders darauf vor. Manche heben nochmal einige tausend Baht ab, da sie einen Ansturm auf die Banken befürchten. Andere haben Angst vor einem Engpass in den Supermärkten und decken sich mit Lebensmitteln ein. Viele Firmen haben ihren Angestellten freigestellt, am Montag zuhause zu bleiben und von dort zu arbeiten. Denn die Straßen sollen an mehreren Knotenpunkten blockiert werden, um so den Verkehr lahmzulegen. Zwar soll der öffentliche Nahverkehr wie Skytrain und U-Bahn wie gewohnt funktionieren, weil aber viele vom Auto darauf umsteigen werden, ist mit vollen Zügen und Verspätungen zu rechnen. Wer wissen will, wie die aktuelle Lage ist, schaut am besten auf Twitter, wo Nutzer die Lage sekündlich updaten  – Hashtag BKKShutdown.
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Am Sonntag versammelten sich bereits erste tausende Demonstranten an markanten Punkten wie der Ratchadamnoen Avenue oder Lumphini Park. Überall verkaufen Straßenhändler T-Shirts mit „Bangkok Shutdown“ Logo, Trillerpfeifen und Thailand-Fahnen. Besonders nahe des Ratchadamnoen-Stadions ist die Situation obskur: Während die Hauptstraße von geparkten Autos blockiert ist, liegt nur ein paar Meter weiter die Khao San Road, die wohl berühmteste Backpackerstraße Thailands mit ihren billigen Hostels und Bars. Hier bekommt man kaum etwas mit den Unruhen, die wenigsten Rucksackreisenden haben überhaupt von den Demonstrationen gehört.

Ich bin gespannt, wie sich die Lage entwickelt – und plane lieber ein bisschen mehr Zeit ein, um am Dienstag meinen Rückflug rechtzeitig zu bekommen.

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