Die „catrinas“, Bilder und Skulpturen bekleideter Skelette, sind eine bekannte Tradition Mexikos. Und auch die Feierlichkeiten und Bräuche rund um den Tag der Toten am 2. November werden in jedem Reiseführer erwähnt. Der Tod hat in Mexiko eine besondere Bedeutung. Als Land mit der weltweit drittgrößten Anzahl an Christen (nach den USA und Brasilien) bestimmen katholische Traditionen den Umgang mit dem Tod. Trotzdem wird in Mexiko anders getrauert als in Deutschland. (Und natürlich gibt es auch innerhalb Mexikos große Unterschiede in der Trauerkultur. In diesem Blogeintrag gebe ich meine Erfahrungen im westmexikanischen Bundesstaat Jalisco wieder.)

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Einen Bestatter, wie wir ihn in Westeuropa kennen, brauchen mexikanische Familien nicht, wenn ein Angehöriger stirbt. Stattdessen waschen sie den Verstorbenen selber, kleiden ihn ein und legen ihn selbst in den Sarg, den sie in einem Geschäft aussuchen und sich liefern lassen. Der Sargdeckel ist zweigeteilt und die obere Hälfte hat einen zusätzlichen Glasdeckel, so dass der Verstorbene im halbgeöffneten Sarg unter Glas aufgebahrt werden kann. Mit Kerzen und Blumenkränzen wird ein zentraler Raum des Hauses, in dem sich der Sarg mit dem Toten befindet, geschmückt.

Im Laufe des Abends versammeln sich Angehörige, Freunde und Nachbarn vor dem Haus, um des Verstorbenen zu gedenken. Bevor sie gemeinsam beten, wird die Straße abgesperrt, so dass während der Andacht keine Fahrzeuge vorbeifahren. Die Familie bereitet Kaffee, Tee und Gebäck vor, denn der enge Freundes- und Familienkreis bleibt der Tradition nach die ganze Nacht vor oder im Haus des Verstorbenen. Gemeinsame Gebete sollen den Angehörigen ins Jenseits leiten.

Am nächsten Tag findet die Beerdigung statt, die mit einem Trauergottesdienst in der Kirche beginnt, bevor sich der Trauerkorso aus Fahrzeugen aller Art auf den Weg zum Friedhof macht. Dort wird die obere Sarghälfte erneut geöffnet, so dass Freunde und Familie einen letzten Blick auf den Verstorbenen werfen und sich endgültig von ihm verabschieden können. Der Sarg wird anschließend ins Grab gelassen, in dem je nach Tiefe bereits mehrere weitere Familienangehörige liegen. Viele Steingräber ragen über einen Meter aus dem Boden hinaus, so dass der letzte Verstorbene ebenerdig zu Grabe gelassen wird. Je nach Art der Ruhestätte wird die Graböffnung – oft seitlich – direkt in Anwesenheit der Trauergemeinde zugemauert. Üblich ist auch, dass Angehörige und Freunde Dinge auf die Begräbnisstäte stellen, die der Verstorbene besonders gerne gemocht hat. Deswegen ist es nichts Besonderes, wenn auf einem mexikanischen Grab zum Beispiel zwei Flaschen Cola oder eine Dose Chilischoten stehen.

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Die Trauertradition endet in Mexiko jedoch nicht am Tag der Beerdigung. Einen Tag später beginnt die Novene („novenario“), zu dem sich die Trauernden neun Tage lang zur selben Abendzeit vor dem Haus des Verstorbenen zusammenfinden und jeweils einen Rosenkranz („rosario“) für den Toten beten. Auch dabei wird die Straße für etwa eine halbe Stunde gesperrt. Am letzten Tag der Trauer, dem zehnten nach dem Ableben, findet ein abschließender Gottesdienst statt und es gibt im Haus des Verstorbenen Essen und Trinken für die gesamte Trauergemeinde. Als Andenken an den Toten bereitet die Familie außerdem eine kleine Erinnerung vor, die jeder Gast mit nach Hause nehmen kann. Oft sind das kleine Kreuze mit dem Namen des Verstorbenen, Rosenkränze oder andere Erinnerungsstücke.

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