Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.
Zu Hause singt Zeid Hamdan für seinen Sohn

Zu Hause singt Zeid Hamdan für seinen Sohn

Die Anklage gegen ihn ist noch nicht fallen gelassen worden. „Hoffentlich passiert nichts“, sagt Zeid Hamdan, „aber hier weiß man nie.“ Vor ihm auf der Decke spielt sein wenige Monate alter Sohn. Zweieinhalb Jahre ist es her, als Zeid Hamdan plötzlich verhaftet wurde – für den Song „General Suleiman“, der damals, im Juli 2011, bereits einige Jahre alt war. Die libanesischen Behörden waren zufällig auf das Video gestoßen. Zu Reggaerhythmen tanzen dort Zeid Hamdan und die Band „Zeid and the Wings“ vor der bunten Beiruter Kulisse. Sie fordern, dass die Milizen in Libanon entwaffnet werden, dass ausländische Geheimdienste das Land verlassen und Korruption bekämpft wird. Der letzte Satz heißt „General Suleiman, go home“. Ein Affront, eine Beleidigung des Präsidenten, so die Anklage. Ein großes Missverständnis, meint Zeid Hamdan.

„Mein Song hätte nicht so viel Aufmerksamkeit verdient“, sagt er. Noch am Tag seiner Verhaftung war er freigelassen wurden, nachdem im Internet ein regelrechter Sturm der Entrüstung aufgebraust war. „Alles wird hier aufgebauscht“, sagt Zeid Hamdan, „sobald die Medien, die Journalisten, die Polizei und das Amt für Zensur etwas gefunden haben, schnappen sie zu.“ Damit würden sie von den wesentlichen Problemen im Land ablenken. Den Problemen, die er in seinem Song anspricht. Für Zeid Hamdan spielen andere große Nationen ihr politisches Spiel in Libanon, aber das würde in der Öffentlichkeit nicht thematisiert. Dennoch sei die Meinungsfreiheit in Libanon im Vergleich zu anderen arabischen Ländern groß. Viele Künstler würden diese Freiheit aber nicht nutzen, weil sie sich perfekt an ihre Umgebung anpassten. „Es ist sehr selten, dass wir rebellische Künstler haben“, sagt Zeid Hamdan, „und wenn, dann sind sie eine Kopie der Rebellen in der westlichen Welt.“ Im wirklichen Leben würden diese Künstler nicht für Verbesserungen kämpfen oder für ihre Ideen. „Wir haben hier einfach noch nicht die Kultur dafür.“

Zeid Hamdan bietet jungen Talenten eine Plattform

Zeid Hamdan streichelt seinem kleinen Sohn über den Kopf und holt den Ball zurück, der gerade weggerollt ist. Mit dem dunkelblauen Pulli mit den weißen Streifen wirkt er nicht wie einer, der es darauf anlegt, anzuecken. Aber er ist auch niemand, der den Mund hält und mit dem Mainstream schwimmt. Wie kaum ein anderer Musiker steht Zeid Hamdan für Experimente. Der US-amerikanische Nachrichtensender CNN nennt ihn einen der acht führenden Künstler in der libanesischen Kulturszene. Ende der 1990er Jahre gründete er zusammen mit der Sängerin Yasmine Hamdan die Band „Soapkills“, die mit Elektrosounds der arabischen Musik eine neue Note verlieh. Inzwischen, mit 37 Jahren, mischt Zeid Hamdan in zahlreichen Projekten mit, nicht nur als Musiker und Komponist, sondern auch als Producer. Er arbeitet mit jungen Künstlern weltweit, u. a. in Ägypten, Guinea und Frankreich. Zu Hause in Libanon steht er hinter der Musikplattform „Lebanese Underground“. Sie bietet jungen, unabhängigen libanesischen Musikern die Möglichkeit, sich zu vernetzen oder Songs im Studio aufzunehmen.

Zeid Hamdan singt für seinen Sohn „Balekeh“

Zeid Hamdan selbst wird bei seiner Arbeit vom internationalen Konzern Red Bull unterstützt. „Sie geben mir einen finanziellen Anschub, buchen mir Studiozeit oder schicken mich ins Ausland, damit ich dort die wichtigen Leute der Szene treffe“, sagt er. In seinem Wohnzimmer steht ein kleiner Kühlschrank mit Werbung für Red Bull. Auch bei Auftritten ist so ein Kühlschrank dabei. In Libanon, wo der Staat junge Musiker in der Regel nicht einmal wahrnimmt, hat Red Bull die Rolle des Kulturförderers übernommen. „Am Anfang war ich zurückhaltend“, sagt Zeid Hamdan, „dann habe ich gemerkt, dass es Red Bull darum geht, den Künstlern zu helfen.“ Deshalb sei es in Ordnung, wenn im Gegenzug der Kühlschrank in seiner Wohnung oder auf der Bühne stehe – als Werbung. „Ich habe nicht das Gefühl, meine Seele zu verkaufen“, sagt Zeid Hamdan. Dann holt er seine Gitarre raus und spielt „Balekeh“, einen Song von aktuellen Album von „Zeid and the Wings“. Sein Sohn lauscht gebannt.

Links:
http://www.zeidhamdan.com/
http://www.lebaneseunderground.com/music/arabic-electro/zeid-hamdan/
http://www.lebaneseunderground.com/music/arabic-electro/zeid-and-the-wings/

Zeid Hamdan is a pioneer of the indepent scene

Zeid Hamdan is a pioneer of the underground scene

Zeid Hamdan – experimentalist for new sounds

The charge hasn’t been withdrawn yet. “Hopefully nothing will happen”, Zeid Hamdan says, “but here you’ll never know.” On the blanket in front of him plays his little son, only a few months old. Zeid Hamdan was charged two and a half years ago in July 2011 – for his song “General Suleiman”, which had been published some years before. By coincidence the Lebanese authorities found the music video where Zeid Hamdan and his band “Zeid and the Wings” dance on Beirut’s streets to the rhythm of reggae music. In the song they claim to disarm the militias in Lebanon, to fight corruption and to expulse foreign intelligence. Their last sentence is “General Suleiman, go home”. The charge is for insult and defamation of the president, which in Zeid Hamdan’s opinion is a huge misunderstanding of the song.

“The song didn’t deserve such an attention”, he says. The day of his detention he was released, after huge rumours on the internet. “Everything here is magnified”, Zeid Hamdan says, “Whenever the media, the journalists, the police and the censorship office find something they just grab it.” For Zeid this is their way to distract the attention from the virulent problems in Lebanon. The problems he points to in his song “General Suleiman”. To Zeid it is obvious that foreign nations play their political game in Lebanon. But this is not discussed in public. Nevertheless, Lebanon enjoys more freedom of expression than any other Arabic country, even though many artists do not make use of it and prefer to please their environment, Zeid observed. “It is rare that we have rebel artists here. If they are rebels they are a perfect copy of the rebels in the Western world.” But in real life these artists would fit for improvement or for their ideas. “We don’t have that culture yet.”

Zeid Hamdan pets his little son’s head and brings back the ball that just rolled away. In his dark blue pullover with tiny white stripes he doesn’t look like somebody looking for trouble. But he is also not that kind of guy who keeps silence and who follows the mainstream. Probably like no other Lebanese musician he is up to experiments and artistic adventures. The US news network CNN lists him as one of the “eight leading lights in Lebanese culture”. At the end of the 1990s he and Lebanese singer Yasmine Hamdan founded “Soapkills”. With their electronic sound the band gave a new touch to Arabic music. Today at the age of 37 Zeid contributes to numerous projects, not only as a musicians and composer but also as a producer. He works with young artists all around the world, e.g. in Egypt, Guinea and France. In Lebanon he is the one behind “Lebanese Underground”, a platform for young independent musicians, offering them a network and the possibility to record in a professional studio.

For his work Zeid Hamdan gets support from the international enterprise Red Bull. “They give me a push in financing or they give me some studio time or they send me abroad to meet the people who are important on the scene”, Zeid Hamdan says. In his living room is a small fridge with Red Bull advertisement. During his concerts there is also such a fridge on the stage. In Lebanon where young musicians are not even noticed by the officials Red Bull assumes the role as a sponsor for culture. “In the beginning I was reluctant”, Zeid says, “but then I realised that the job at Red Bull is to help the artists.” Therefore, it is okay that they put a fridge in his living room or on stage. “I don’t feel as if I’m selling my soul”, Zeid Hamdan says, catching his guitar. His son is listening carefully as he starts playing “Balekeh”, a song from his current album with “Zeid and the Wings”.

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