Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Mama Toni ist heute in der Kirche. Sammy, der freundliche Hausangstelle, auch. In welcher? Gute Frage, wenn man bedenkt, dass es in Kenia etwa 10.000 verschiedene gibt. Die katholische Kirche wäre beispielsweise nur eine davon. Die Pfingstbewegung von Sammy eine andere, die Rastafari und jede einzelne der unzähligen Freikirchen, die an den Sonntagen auch gerne mal mit Lautsprechern die ganze Straße beschallen, wieder jeweils andere.

So soll es in Westkenia zum Beispiel eine Kirche geben, deren Oberhaupt darauf besteht, Gott höchstpersönlich zu sein. Der Vater von Jesus, der nun einfach selbst auf die Erde gekommen sei, um die Menschen von Sünde und Leid zu befreien. Gleichzeitig droht er allerdings, die Kenianer zu verfluchen, sollte die Regierung ihm nicht 3 Milliarden Shilling geben, um seine Dutzend Frauen und Kinder zu ernähren. Hmmm. Apropos ernähren: In Kisumu gibt es angeblich einen Pfarrer, der sich nur von Frauen bekochen lässt, die bereits in der Menopause sind. Jüngere Frauen dürfen sein Essen nicht berühren. Soso.

Die Liste absurder und teils höchst befremdlicher Sekten ließe sich wahrscheinlich beliebig fortsetzen. Ich jedenfalls spiele jetzt mit dem Gedanken, einfach selbst eine religiöse Führerin zu werden: Das ist hier nämlich in etwa so leicht, wie eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Anmeldeformular ausfüllen, Satzung festlegen, 2000 Shilling Gebühr bezahlen, drei Monate warten und schwupps  hätte ich meine  eigene Kirche. So einfach ist das. Hab ich gestern in der Zeitung gelesen.

Nur ein Name fehlt mir noch… Vorschläge nehme ich gerne per Email entgegen. Einsendeschluss ist der 15.März, bei mehreren hübschen Ideen entscheidet das Los!

Und zum Abschluss dieses kurzen Wochenendblogs noch ein Abstecher in die Politik: Gestern waren Rita und ich zum Geburtstag bei der Frau des Militärattachés eingeladen. Jegliche Gedanken über die richtige Etikette und die diplomatisch korrekten Anredeformen hätte ich mir getrost sparen können. Wenn doch alle politisch-internationalen Zusammentreffen so unkompliziert und heiter wären!

Der Hausherr empfängt in Turnschuhen, kurzem Hemd und mit der Grillzange in der Hand, die Gattin erzählt mit Begeisterung von ihrer Leidenschaft Cocktails zu mixen und lädt prompt ein, demnächst einen ihrer privaten Kurse zu besuchen; die Frau des botswanischen Botschafters hingegen erklärt, warum sich ihr jüngster, vier Wochen alter Sohn im ersten Lebensmonat ausschließlich im Haus aufhalten darf und dass sie die Hoffnung auf eine Tochter jetzt endgültig begraben hat und aufhören wird mit dem Kinder kriegen.  Der US-amerikanische Militätattaché (ob der wohl eigentlich hier mitliest?!) lobt die Vorzüge eines Diplomatenpostens in Afrika und diskutiert anschließend voller Begeisterung mit mir über den Nachrichtensender Al-Jazeera, bevor die malaysische Frau eines französischen Botschaftsangehörigen ausdrücklich betont, warum sie nicht mit Chinesen verwechselt werden will.  Und gleich nebenan auf der Bierbank  amüsiert sich der Botschaftsarzt darüber, dass es ein internationales Kartoffelzentrum in Nairobi gibt und sein Freund sich dafür begeistern  kann, dass mittlerweile eine Saatkartoffelart entwickelt wurde (übrigens im hiesigen Kartoffelzentrum wie es scheint!), deren Wurzeln andersrum – sprich, in den Himmel – wachsen und deren Knollen dadurch ganz einfach überirdisch abgeerntet werden können. Was man hier so alles lernt…

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