Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

In chinesischen Schulen lernen die Schüler bis tief in die Nacht, um sich auf ihre Abschlussprüfung vorzubereiten. Ein Schulleiter aus Beijing erzählt, wie er Lehrer und Schüler motiviert und warum ihn die Situation trotzdem manchmal traurig macht.

Wir sind eine kleine Mittelschule im Nordosten von Beijing. Mehr als 2000 Schüler besuchen unsere Schule. Wir sind nicht so gut wie andere Schulen in Beijing, wo es die Schüler auf die besten Universitäten des Landes schaffen. Diese Schulen sind berühmt. Alle Eltern wollen ihre Kinder dorthin schicken und die Wohnung um die Schule herum, sind enorm teuer.

Aber so soll unsere Schule gar nicht werden. Diese Schulen nehmen nur Schüler, die bereits extrem gut sind. Sie schauen auf jeden Punkt in den Abschlussprüfungen der Unterstufe und entscheiden dann, wer bei ihnen anfangen darf. Wir nehmen jeden — und die Ergebnisse sind okay. Dieses Jahr haben wir sogar einen Schüler, der es vielleicht an die Universität Beijing schafft: Die beste Uni in China!

Leider weiß ich, dass unser Schulsystem nicht gut ist. Unsere Schüler lernen den Stoff nur auswendig, ihren Kopf brauchen sie dafür nicht. Aber so ist das eben. Es gibt zu viele Schüler in China. Die Prüfung muss so schwer sein, weil in China zu viele Schüler auf eine Universität gehen wollen. Das sagen wir unseren Schülern auch. Es bringt nichts, sich dagegen zu wehren. Sie müssen versuchen, hart zu arbeiten. Dann können sie es schaffen. Und immerhin: Von den 750 zu erreichenden Punkten, erreichen unsere Schüler im Schnitt immerhin 550 Punkte. Knapp 60 Prozent können so auf eine gute Universität gehen, der Rest schafft es an eine zweitklassige.

Das chinesische Schulsystem

Die Schulpflicht in China dauert neun Jahre. Mit sieben werden die Kinder in die Grundschule (小学) eingeschult. Diese dauert sechs Jahre. Danach kommen sie in die Unterstufe (初中), die noch einmal drei Jahre dauert.

Nach neun Jahren, in der Regel sind Jugendlichen dann 16 Jahre alt, müssen sie eine Prüfung schreiben. Diese entscheidet, welchen Zweig (Naturwissenschaften oder Sozialwissenschaften) die Schüler in der Oberstufe (高中) belegen dürfen. Die Oberstufe dauert noch einmal drei Jahre und bereit sie auf die Abschlussprüfung vor, die als Zulassung für die Universität gilt.

Die Schüler, die nicht auf eine Universität gehen wollen, können auf eine technische Schule (技校) wechseln. Die Programme dauern drei bis vier Jahre. Zudem gibt es Berufsschulen (职 校) mit dreijährigen Ausbildungen.

Den meisten unserer Lehrer ist es leider egal, wie sich die Kinder entwickeln, sie sollen nur in den Prüfungen genug Punkte erreichen. Es gibt beispielsweise in der Abschlussprüfung keinen mündlichen Teil in Englisch. Deshalb sind unsere Schüler zwar in Hörübungen gut und können Aufsätze auf Englisch schreiben, aber kaum ein Wort sprechen. Unsere Englischlehrer stört das nicht, sie unterstützen es sogar. Zeit zum Spielen oder Ausruhen haben die Schüler auch kaum. Denn Lehrer und Eltern treiben die Kinder ständig voran. Die Situation macht mich manchmal traurig.

Deshalb bemühe ich mich mittlerweile auch, den Austausch mit ausländischen Schulen zu fördern — darunter mit Schulen aus Deutschland und Schweden. Wir wissen, dass wir viel vom westlichen Bildungssystem lernen können. Deshalb kommt auch fast jedes Jahr ein Austauschschüler zu uns. Wir können von der Denkweise der ausländischen Gäste profitieren und unsere Schüler sehen, wie andere junge Menschen leben, lernen und denken.

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