Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Am Pariser Flughafen Charles de Gaulle begrüßt ein Schild die Reisenden. In roter Schrift wird darauf vor Ebola gewarnt: Vorsicht vor dem Blut und Speichel fiebriger Menschen; keine Wildtiere auf afrikanischen Märkten verspeisen! Stunden später sitze ich (gemeinsam mit meinem Onkel, der mich kurzentschlossen als Fotoreporter begleitet) in einer Maschine der Fluggesellschaft „Air Madagascar“ auf dem Weg in die madagassische Hauptstadt Antananarivo. In der Dunkelheit unter uns ziehen ostafrikanische Landmarken hindurch: Die Lichter von Karthoum, Addis Abeba und Nairobi. Dann der Kilimandscharo. Auf der anderen Seite des Kontinents muss es noch dunkler aussehen als auf dieser. Dort reißt das Ebola-Virus seit März ganze Staaten ins Chaos während die Weltgemeinschaft der Dynamik der Epidemie langes Zögern entgegensetzt.

Am darauf folgenden Tag gegen Viertel vor neun setzen wir bei strahlend blauem Himmel auf der Landebahn in Antananarivo auf. Ein Fahrer unseres Hotels holt uns ab, kurvt mit uns durch die belebten Straßen. Eine Stadt auf tausend kleinen Hügeln, dazwischen Reisfelder. Am Straßenrand Markstände, Zebu-Karren, Stapel gebrannter Ziegel, ein Geruch nach Holzfeuer und Abgasen liegt in der Luft. Die Flagge vor der umzäunten US-Botschaft weht auf Halbmast – zum 13. Mal jähren sich heute die Flugzeug-Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon.

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Blick über Tana und den Lac Anosy.

Am Nachmittag kreuzen wir durch die Stadt, die der Einfachheit halber Tana genannt wird. Zum Präsidentenpalast, vorbei am grünlichen Lac Anosy, hinauf zur Rova, dem Königinnenpalast. Alles sei ruhig im Moment, sagt unser Fahrer Mahefa. Keine blutigen Proteste wie in der Zeit des Putsches im Jahr 2009. Seit letztem Februar hat Madagaskar wieder einen demokratisch gewählten Präsidenten, sogar den mit dem mutmaßlich längsten Nachnamen weltweit: Hery Rajaonarimampianina. Ob er die Menschen und die Natur der Insel wieder auf einen sichereren Weg führen kann und wie auch ausländische Initiativen dazu beitragen wollen – das versuchen wir in den kommenden sechs Wochen zumindest ansatzweise zu ergründen…

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