Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Wir sind im Hotel Sakamanga (madagassisch für „Katze blau“) einquartiert, eine Wohlstandsinsel, umgeben vom hektischen Stadtleben drumherum. Ein seltsames Gefühl, im Bauch der blauen Katze zu sitzen, abgeschottet von den fliegenden Händlern und bettelnden Kindern keine 50 Meter Luftlinie entfernt. Mit Madagaskar hat das hier für mich nicht viel zu tun. Aber es gibt Internet und einen Konferenzraum, in dem ich meine ersten Interviewpartner treffe, darunter Klaus Heimer. Seit etwa 15 Jahren lebt er in Madagaskar, arbeitet als Journalist und Reiseveranstalter. Ich frage ihn nach der madagassischen Medienlandschaft. Er malt das Bild einer weitgehend abhängigen Presse, je nach Medium im Fahrwasser einer anderen Partei. Investigativ-Journalismus gebe es kaum. Der Ex-Präsident Marc Ravalomanana habe damals Radio- und TV-Technik aus Mainz nach Madagaskar gebracht, die Deutsche Welle bei der Ausbildung geholfen. Als Andry Rajoelina ihn 2009 in einem Putsch stürzte, brannten die Rundfunkanlagen.

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Blick auf das Zentrum von Tana (Foto: Ernst Golde).
Der zweite Besucher ist Matthias Markolf, wir haben am Deutschen Primatenzentrum zusammen unsere Doktorarbeiten gemacht. Inzwischen hat er eine Umweltschutz-Organisation mit gegründet („Chances for Nature“), die sich unter anderem in Madagaskar engagiert. Er berichtet von einem laufenden Projekt in der Region Menabe („rot sehr“ oder „rot groß“, benannt nach der Ziegelsteinfarbe des Laterits, der dort die Böden bestimmt) im Westen der Insel. Mit einem mobilen Kino, das durch einen fahrradbetriebenen Generator mit Strom versorgt wird, wollen die Naturschützer in abgelegenen Dörfern über Umweltschutz und nachhaltige Strategien informieren. Im Zentrum des Films stehen dabei effizientere Öfen, auf denen sich mit deutlich weniger Holz und Kohle kochen lässt. In einem begleitenden Workshop können die Dorfbewohner lernen, entsprechende Öfen zu bauen. Das soll Entlastung bringen für die verbliebenen madagassischen Wälder. In der kommenden Woche wollen wir das Projekt besuchen.

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