Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Freitagabend. Wir nehmen ein Taxi zum CGM – Cercle Germano-Malagasy – dem Goethe-Zentrum von Tana. Es liegt an den Treppen im Stadtteil Analakely, mit dem Auto kann man darum nicht direkt heranfahren. Wir schleichen durch die Nacht, umkurven Fußgänger und Mülltonnen, zwei Mal fragt der Fahrer nach dem Weg. Es ist bereits dunkel als er uns über die Stufen bis zum Eingang im dritten Stock eskortiert, das sei sicherer. Oben angekommen, verabschieden wir uns per Handschlag, dabei entschuldigt er sich für seine Schnapsfahne: Er habe mit einem Freund schon den Feierabend begossen, hätte sich aber die Fahrt zum CGM nicht entgehen lassen wollen. Seine Sicherheitsbedenken erstrecken sich offensichtlich nicht auf die eigenen Fahrkünste.

Wir treten in einen großen Raum mit einer Bar, Stuhlreihen und einer Bühne. Darauf stehen bereits Gitarren und Bongos, im Hintergrund hängt ein schwarzes Tuch mit drei weißen Baobab-Silhouetten. In einer Stunde tritt hier der madagassische Maler und Musiker Jonny R‘Afa auf.

Wir treffen den Leiter des Zentrums in seinem Büro, das vom Konzertraum abgeht. Eckehart Olszowski ist Anfang 60 und lebt seit 1980 in Madagaskar. Er raucht E-Zigarette, bietet uns Bier und zwei Stühle gegenüber seinem Schreibtisch an. Wir kommen ins Erzählen. Nach seinem Studium (Religionsgeschichte, Indologie und Polnisch) hat es ihn auf die Insel und ziemlich direkt zum Goethe-Zentrum verschlagen. Lange hat er neben seiner Arbeit für das Institut halbtags als Buschpilot gearbeitet, GIZ-Mitarbeiter in entlegene Winkel von Madagaskar geflogen oder Schwerkranke evakuiert. In seinem Garten in Tana hat er einmal einige Makis (Eulemur fulvus) aufgepäppelt, die aus der Nachbarschaft zu ihm kamen. Als er von den Tieren erzählt, leuchten seine Augen.

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Eckehart Olszowski, Leiter des Goethe-Instituts in Tana (Foto: Ernst Golde).

Die Kurse des Goethe-Instituts seien gut besucht, sagt er. Die Deutschland-Affinität von Marc Ravalomanana hat damals offenbar noch einen kleinen zusätzlichen Schub gegeben. Neben Sprachunterricht und Kulturveranstaltungen bietet das Institut eine Reihe weiterer Kurse: Moderner Tanz, Musikunterricht, Grafikdesign. Auch zivilgesellschaftliches Engagement zählt zum Spektrum des CGM. Zum Beispiel wurde Heinrich von Kleists „Der zerbrochne Krug“ in einem Fernsehfilm aufs madagassische Hier und Jetzt übertragen. Auch der Dorfrichter Adam tritt auf, allerdings wurde das Problem der Korruption zentral gesetzt (Olszowski zitiert eine madagassische Richterin, nach der 90 Prozent ihrer Kollegen korrupt seien.) Auf die Ausstrahlung des Films folgte eine Polit-Talkshow zum Thema.

Außerdem gibt es Umweltschutz-Projekte, zum Beispiel einen nationalen Song Contest namens „hira maintso“ – das „Grüne Lied“, gemeinsam mit der GIZ. Zusätzlich in Planung: Eine fünfteilige Fernseh-Serie, bei der es um Verbrechen gegen die Natur gehen soll: Rosenholzhandel, Brandrodung, illegale Mülldeponien. Als Vorbild dient der deutsche „Tatort“, die Protagonisten sollen aus einer Spezialeinheit der Polizei stammen, die gemeinsam mit Wildhütern in einem Naturreservat nach dem rechten sehen.
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Der Musiker und Maler Jonny R`Afa bei seinem Konzert im CGM (Foto: Ernst Golde).
Um halb acht steigt Olszowski auf die Bühne, begrüßt Musiker und Publikum. Dann spielt Jonny R‘Afa, zupft mit einem Lächeln an den Gitarrensaiten. Später kommen weitere Sänger, ein Gitarrist und ein Percussionist dazu. Das Publikum klatscht, trinkt THB (Three Horses Beer aus Antsirabe) und singt zeitweise mit. Kurz vor Ende des Konzerts verlassen wir das Zentrum gemeinsam mit Eckehart Olszowski. Zusätzlich begleitet uns ein madagassischer Mitarbeiter zum Auto auf der anderen Straßenseite. Wieder eine Vorsichtsmaßnahme, weil schon Kollegen vor dem CGM überfallen wurden. Wir rollen durch die Nacht, vorbei an Prostituierten am Straßenrand und auf dem Bürgersteig lagernden Gestalten, in die gekaufte Sicherheit unseres Hotels.

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