Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Heute fahren wir für zwei Tage nach Andasibe, ein Dorf, das oft als Synonym genutzt wird für das Reservat Analamazoatra, das zusammen mit dem benachbarten (allerdings nicht mehr verbundenen) Waldgebiet Mantadia einen bildet. Gemeinsam mit Tata und Domoina (unsrer Reisegruppe aus Menabe) fahren wir die 150 Kilometer von Tana in östlicher Richtung, über eine Straße, die sich an immer grüner werdenden Berghängen entlang windet. Mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir den Regenwald-Nationalpark und quartieren uns in einem Bungalow des „Feon`ny Ala“ ein. Übersetzt bedeutet der Name der Herberge „Geräusche des Waldes“. Und der Wald gibt sich Mühe, dem Namen gerecht zu werden. Insekten zirpen, im Bach hinter unsrem Bungalow quaken Frösche.

Vielleicht bringt das Tata auf die Idee. Jedenfalls reicht er zum Abendessen zwei Zaubergeschichten von Wassertieren. Erstens: In das Dorf Anivorano bei Ambilobe im Nordwesten der Insel kommt einst ein Fremder und bittet um Wasser. Die Dorfbewohner verweigern ihm den Wunsch, daraufhin verwandelt sie der Fremde in Krokodile. Noch heute könne man die Tiere mit den Namen der Dörfler rufen und so aus dem Wasser locken. Die zweite Geschichte spielt bei Vohemar, im Nordosten Madagaskars. Tata lässt sich den Ort sogar noch einmal telefonisch von einem Bekannten bestätigen, als wir mit leichtem Zweifel nachhaken. Hier gibt es jedenfalls angeblich Buckelrinder, die unter der Meeresoberfläche leben. Alle vier Jahre kämen sie an den Strand, verließen die See und lebten fortan an Land weiter.

Ob Tata die Geschichten glaube? Er wiegt den Kopf. Und gibt die Antwort mit einer weiteren Geschichte: In Moramanga gebe es am Bahnhof Geister von Verstorbenen. Als er einmal nachts dort warten musste, habe er Kette geraucht, denn Geister haben Angst vor Feuer.

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