Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Heute treffen wir den Landesdirektor der GIZ in Madagaskar wieder, Alan Walsch. Dieses Mal zum Interview in seinem Büro in Tana. Seit 1982 arbeitet die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf der Insel. Walsch ist seit einem Jahr in Madagaskar, war davor aber bereits 22 Jahre für die GIZ in unterschiedlichen Ländern tätig. Walsch zeichnet ein Bild der Aktivitäten in Madagaskar und des Einflusses der politischen Berg- und Talfahrten.

Noch unter Marc Ravalomanana arbeitete die GIZ schwerpunktmäßig in drei Bereichen: Gesundheit, Energie und Umwelt. Nach dem Putsch durch Andry Rajoelina 2009 wurden die Zusammenarbeit auf Regierungsebene beendet, das Gesundheitsprogramm geschlossen und das Elektrifizierungsprogramm als Komponente ins Umweltprogramm übertragen. Das wiederum blieb bestehen, allerdings in Zusammenarbeit mit kommunalen Einrichtungen und Nichtregierungs-Organisationen. Der Aufbau der Zivilgesellschaft als neuer, zuverlässiger Kooperationspartner wurde zu einem zentralen Anliegen.

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Alan Walsch, GIZ-Landesdirektor in Madagaskar (Foto: Ernst Golde).

Um den Druck auf Naturschutzgebiete in ausgewählten Regionen zu reduzieren, arbeitet die GIZ nicht innerhalb der Parks, sondern außerhalb mit den umliegenden Dörfern. Im Vordergrund steht dabei die Wertschöpfungskette Holzenergie, angefangen bei Aufforstungsprojekten mit schnell wachsenden Nutzhölzern wie Eukalyptus und Akazien bis zur Entwicklung und Verbreitung sparsamer Öfen, um den Holzkohleverbrauch in den Küchen zu reduzieren (den Ofenworkshop in Beroboka haben zwei ehemalige GIZ-Mitarbeiter aus Tuléar geleitet).

Neben Staat und Zivilgesellschaft kooperiert die Gesellschaft auch mit der Privatwirtschaft, etwa zur Verbesserung landwirtschaftlicher Methoden von Kleinbauern. Auch mit dem Bergbauunternehmen Rio Tinto gibt es eine Zusammenarbeit, um die Entwicklung kleiner und mittelständischer Unternehmen regional zu fördern, die madagassische Zulieferindustrie zu stärken und so die exklusive Vergabe von Aufträgen an internationale Firmen zu vermeiden.

Die neue madagassische Regierung bietet wiederum neue Möglichkeiten für die GIZ. Sie ist international anerkannt, die deutsche Bundesregierung hat den offiziellen Dialog wieder aufgenommen. Ab 2015 sollen die Kontakte zum Umweltministerium wieder intensiviert und ein Programm zur ländlichen Elektrifizierung aufgenommen werden. Die wiedergewonnene Nähe zur Regierung soll allerdings eines nicht bewirken: die Kontakte zur Zivilgesellschaft schwächen.

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