Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Sambava im Nordosten Madagaskars und die benachbarten Städte Antalaha, Vohemar und Andapa bilden die Eckpunkte der Region Sava, ein Anbauzentrum für Reis, Vanille, Kaffee und Kakao. In der Nachbarschaft liegen einige große, ursprüngliche Waldgebiete: die Nationalparks Marojejy und Masoala sowie das Spezialreservat Anjanaharibe Sud. Nach der Region hat sich auch eine 2012 ins Leben gerufene Naturschutzorganisation des Duke Lemur Centers benannt: SAVA Conservation. Deren Direktor und Koordinator ist Erik Patel – promovierter Primatologe, deutsche Mutter, indischer Vater, aufgewachsen in Chicago. Etwa zehn Monate pro Jahr verbringt er in Madagaskar.

Wir treffen ihn am Flughafen in Tana. Erik begrüßt uns mit den Worten: „An der Gepäckkontrolle stand ich gerade hinter einem der größten Bosse der Rosenholz-Mafia. Ein gefährlicher Mann.“ Verstohlen schauen wir hinüber: ein älterer chinesisch-stämmiger Madagasse mit Sonnenbrille und schütterem Haar (chinesischer Einfluss ist entlang weiter Teile der Ostküste zu spüren). Seit Jahren verfolgt Erik das Rosenholz-Geschäft. Exportiert wird das wertvolle, rötliche Hartholz schon lange, zunächst begrenzt und mit Auflagen. Mit der politischen Krise 2009 eskalierte die Situation. Zu tausenden kamen Menschen in die Wälder und Nationalparks, schlugen hunderte Jahre alte Rosenholz-Bäume und flößten sie zur Küste. Dazu kamen zahlreiche Kollateralschäden: Die Holzfäller lagerten im Wald, jagten Lemuren und andere Tiere, fällten auch andere Baumarten, um die schweren Rosenholzstämme beim Transport daran anzubinden und so über Wasser zu halten. Der Marojejy-Nationalpark wurde zeitweise geschlossen.

 

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Erik Patel, Leiter von SAVA Conservation, vor einer Karte der Region (Foto: Ernst Golde).

Erik Patel hat Berichte, Namen und Handelswege zum Rosenholzhandel veröffentlicht, Filme mit der BBC gedreht, ein Freund von ihm erhielt vor Jahren eine Morddrohung und musste mit Hilfe der amerikanischen Botschaft das Land verlassen. „Ich würde nicht in Antalaha übernachten“, sagt Erik noch heute. Dort leben die meisten Rosenholz-Händler. In einem Garten lägen dort noch immer offen sichtbar Rosenholzstämme im Wert mehrerer Millionen US-Dollar. Die Abnehmer leben vor allem in China, für die dortige Mittelschicht sind Rosenholz-Möbel ein Statussymbol. Aber auch der US-amerikanische Gitarrenhersteller Gibson erwarb Rosenholz. Ein Skandal, 2009 gab es eine Razzia in den Lagerräumen des Unternehmens, ein Prozess folgte.

Am Flughafen in Sambava wartet eine Menschentraube auf die Reisenden aus Tana. Darunter ein Madagasse mit grün-blauen Augen. In einem Reiseführer habe ich gelesen, dass so etwas an der Ostküste häufig zu beobachten ist – der genetische Gruß europäischer Piraten, die vor Jahrhunderten hier vor Anker gingen. Lange vor den modernen Gangstern, deren Containerschiffe heute vor der Küste liegen und geschmuggeltes Rosenholz aus kleinen Booten an Bord nehmen.

 

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Marktleben in Sambava (Foto: Ernst Golde).

Das Zentrum Sambavas bilden zwei parallele Asphaltstraßen, daneben verwinkelte Viertel, in die man meist nur zu Fuß oder per Fahrrad oder Moped gelangt. Lange Sandstrände. Das Meer ist grün. Manche Windböen tragen den Geruch von Vanille durch die Stadt. An der Hauptstraße liegen zwei Fabrikruinen des Ex-Präsidenten Marc Ravalomanana, verrußte Wände und durch die Hitze verbogene Stahlträger. Im Februar 2009 wurden sie angezündet, Teil einer gezielten Aktion, die Eigentum von Ravalomanana in mehreren Teilen des Landes zerstörte. Monumente des politischen Chaos, die bis heute überdauert haben.

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