Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

In Andapa und später noch einmal in Sambava treffen wir auch Pieter Pietrowicz, der seit 1980 in der Entwicklungszusammenarbeit tätig ist, seit 1996 als Gutachter mit dem Schwerpunkt finanzielle Zusammenarbeit im Naturschutz für die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die den finanziellen Teil der Entwicklungszusammenarbeit der Bundesregierung umsetzt. Pietrowicz berichtet vom Naturschutz in Madagaskar unter den wechselnden Präsidenten der Vergangenheit.

Die meisten der heutigen Nationalparks seien bereits in der Kolonialzeit als Wald- und absolute Naturschutzgebiete ausgewiesen worden. Seit Anfang der 1990er Jahre (noch unter Didier Ratsiraka und Albert Zafy) begann der Prozess der Umwidmung in Nationalparks; auch Madagascar National Parks (MNP), ein gemeinnütziger Verein, stammt aus dieser Zeit. Die Parks sollten dabei auch die sozio-ökonomische Entwicklung und nachhaltige Bewirtschaftung des Umlandes unterstützen (z. B. über Tourismus, Forschung und Kleinprojekte). Marc Ravalomanana gab 2003 den Impuls für neue Schutzgebiete, die nicht durch die Regierung, sondern auf kommunaler und regionaler Ebene eingerichtet und verwaltet werden sollten. Die KfW förderte seit Mitte der 1990er Jahre erst bestimmte Parks als einzelne Projekte, seit 2007 auch MNP insgesamt.

DSC00239_aCredit: Ernst Golde

Pieter Pietrowicz, seit 1996 Gutachter mit dem Schwerpunkt finanzielle Zusammenarbeit im Naturschutz für die KfW.

Die Arbeit der Entwicklungsbank in Madagaskar wurde durch den Putsch im Jahr 2009 nicht grundsätzlich in Frage gestellt, da sie bereits seit den 1990er Jahren über Nichtregierungsorganisationen bzw. regierungsferne Projektkonzepte gearbeitet hatte, um sich von politischen Risiken abzukoppeln. Allerdings wurden nach dem Putsch Neufinanzierungen auch von deutscher Seite eingefroren. Im Grunde abgeschlossene Vorhaben wurden mit Restmitteln weiter geführt. Zusätzlich fielen Finanzierungshilfen anderer Geldgeber weg, zum Beispiel seitens der USA, zum Teil auch der Weltbank. Der neue Präsident Hery Rajaonarymampianina habe noch keine entscheidenden Impulse im Umweltsektor geliefert, internationale Geldgeber seien weiterhin in Wartestellung.

Eine wichtige Rolle in der zukünftigen Gestaltung des Naturschutzes in Madagaskar kommt neben den politischen Entscheidungsträgern nach Pietrowicz auch internationalen Naturschutz-Organisationen mit teils hohem politischen Einfluss zu: beispielsweise Conservation International (CI), WWF, Wildlife Conservation Society und Durrell. Darüber hinaus auch Forschungsorganisationen wie etwa Texas, Duke und Chicago Universities, dem Deutschen Primatenzentrum und den Universitäten Hannover und Hamburg, die seit Jahrzehnten Präsenz in Madagaskar zeigen und mit ihrer Arbeit Fakten für die Bedeutung von Schutzgebieten bereitstellen.

Dass Madagaskar internationale Hilfe im Naturschutz benötigt, steht für Pietrowicz außer Frage. Ein Land, das im letzten Human Development Index an vorletzter Stelle rangiert, habe nicht die Ressourcen, um sich aufwändige Schutzgebiete zu leisten: „Madagaskar wird noch auf lange Sicht auf externe Unterstützung angewiesen sein. Und ich finde das vollkommen gerechtfertigt. Allerdings stehen Regierung und Entscheidungsträger in der Pflicht, die Rahmenbedingungen zu korrigieren, die zu der dramatischen Verarmung breiter Bevölkerungsschichten und zur fortschreitenden Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen führten.“

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