Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Heute Vormittag haben wir einen Interviewtermin mit dem geschäftsführenden Direktor von Madagascar National Parks (MNP), Guy Suzon Ramangason, und seinem Stellvertreter Herijaona Randriamanantenasoa. Auf dem Weg zum MNP-Hauptsitz im Stadtteil Ambatobe passieren wir in unserem oldtimerhaften Peugeot-Taxi einen Marktstand mit Käfigen, darin Vasa-Papageien, Unzertrennliche (Agapornis) und ein Perlhuhn. Ein betrüblicher Auftakt.

Wir treffen unsere Interviewpartner im Büro des Direktors. Beide erscheinen in Hemd und Anzug – nach dem Gespräch werden sie eine Pressekonferenz zu den Bilanzen und Perspektiven von Madagascar National Parks geben. Zuerst frage ich Guy Ramangason nach der Struktur von MNP. Gegründet 1990 als privater, gemeinnütziger Verein, umfasst MNP neben der Generaldirektion als exekutives Organ eine Hauptversammlung, die Leitlinien entwickelt und mit internationalen Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeitet. Ein Verwaltungsrat entscheidet über die Realisierung der Projekte. Hier hat die Regierung Einfluss: Vorsitzender ist der jeweilige Umweltminister.

DSC00713Credit: Ernst Golde

MNP-Direktor Ramangason (Mitte) und sein Stellvertreter Randriamanantenasoa im Interview.
MNP hat nicht nur das offizielle Ziel die (derzeit) 52 Nationalparks und Naturreservate unter seiner Verwaltung zu schützen, sondern auch Entwicklungsprojekte zu fördern in Dörfern, die an die Schutzgebiete grenzen. Traditioneller Weise wurden 70 Prozent der Finanzierung durch ein knappes Dutzend ausländischer Geldgeber abgedeckt, unter anderem KfW, Europäische Union und Weltbank. Die verbleibenden 30 Prozent stammten (in stabilen politischen Zeiten) von der madagassischen Regierung. Geld wird auch von MNP selbst durch Ökotourismus erwirtschaftet. Zudem soll eine neu eingerichtete Stiftung regelmäßige Grundeinnahmen abwerfen.

Mit dem Putsch 2009 zogen sich viele internationale Unterstützer zurück (KfW, Europäische Union und Weltbank blieben). „Die 30 Prozent Finanzierungsanteil vom Staat haben sich verkleinert – auf ungefähr nichts“, sagt Ramangason. Dazu kamen weitere Probleme. Gendarmerie, Polizei und Justiz wurden durch das politische Chaos oft handlungsunfähig, Wilderer und Holzfäller nutzten das Machtvakuum und kamen teils zu Tausenden in die Wälder und Nationalparks, um Rosenholz zu schlagen. Auf hunderttausenden Hektar in Masoala hatte MNP den Eindringlingen 25 Parkwächter entgegenzusetzen.

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Zeitungsartikel über die spätere Pressekonferenz der MNP-Direktoren.

Die neue Regierung schaffe zumindest Zuversicht und den Glauben an stabile Verhältnisse. Um die Zukunft des Naturschutzes in Madagaskar zu gewährleisten, fordert der Direktor, dass die Einnahmen aus den endlichen Ressourcen (Erdöl, Minen) in den Schutz der erneuerbaren Ressourcen (Nationalparks, Reservate) fließen. Das fördere auch automatisch die Entwicklung der umliegenden Siedlungen. „Im Dorf Bekopaka beim Tsingy-Nationalpark gab es früher nur dahalo (Viehdiebe). Jetzt reihen sich dort die 4×4 der Touristen aneinander, und das Dorf verdient.“

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